| Schneider, Stefan: Dichtungen 009. Duisburg brennt. 1994 | | Drucken | |
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Duisburg brennt
Es ist irgendsoein verschissener Tag wie sonst auch immer. Ich gehe durch die Straßen, durch die Stadt, durch Metropolis, greife in die linke Brusttasche nach 'ner Packung Filterloser, stecke mir eine in's Gesicht, krame nach Streichhölzern. Endlich gefunden, bleibe stehen, stelle mich mit dem Rücken zum Wind und verbrauche fünf Streichhölzer, bis die Fluppe brennt. Das letzte Streichholz fliegt in den Bordstein oder weiß der Teufel wo, ich sauge tief den Atem von Freiheit und Abenteuer oder was weiß ich ein und gehe weiter durch die Straßen der Stadt. Mir ist mittlerweile nicht mehr klar, ob es Routine ist oder schon Klischee, nur eines weiß ich, 'ne Camel ohne schmeckt in Duisburg ebenso wie irgendwo anders auf der Welt. Ich gehe durch das Wilhelm Lehmbruck Museum und sauge die Aura der Skulpturen mit gleicher Lust und Leidenschaft ein wie vorhin die Zigarette. Es ist wie ein Taumel, ein Rausch, ein Wahn. Der Gestürzte, Abschaum der Menschheit, voller Leid, am Boden, Elend hat sich in sein Gesicht gefressen, barfuß, nackt, am Ende. Aber sein Rückgrat ist noch nicht gebrochen, ebensowenig wie sein Lebenswille. Ein Geschenk an die hoffende Menschheit. Stefan Schneider 1984 (unvollendet)
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. November 2011 um 14:46 Uhr |

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