| Schneider, Stefan: Dichtungen 015, Herbstlied. 11.1984 | | Drucken | |
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Herbstlied Es ist schön, traurig zu sein im Wasser zu hängen halb wie die Tuauerweiden im Park tief und schwer. Mit den Wurzeln im naßschweren Erdreich und träge zu schwanken im Wind kühl, zärtlich und doch immerdar. In meiner Einsamkeit weinen, den Kopf auf den Arm stützend wissen, es ist gut so. Mein Herz ist so weit ich möchte auf die Knie fallen die Erde küssen aufstehen und die Welt umarmen und schweigen, mitleiden. Sanft werden Zeit haben und den Atem des Lebens sprechen lassen. Ein neuer Mensch wird aufstehen wie das geknickte Schilfrohr und Frieden wird sein. Denn die Nacht läßt den Tag um so heller erscheinen, und der Herbst gibt dem Frühling seine Pracht. Und darum ist es schön, traurig zu sein, denn wenn der Nebel entschwindet des morgens an den Flüssen Babylons, werden die, die dort weinen, Jerusalem sehen, und alles wird gut sein! Stefan Schneider November 1984
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