| Schneider, Stefan: Dichtungen 021. Momentaufnahme - Maria, Bild einer Frau. 05.05.1985 | | Drucken | |
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MOMENTAUFNAHME - MARIA, BILD EINER FRAU Mai. Wie der Oktober ein Monat, der Maria, der Mutter Gottes (Muttergottes ?) speziell geweiht ist. Eine olle Kamelle? Vielleicht! Ee geht nicht darum, bekannte, alte Traditionan aufzuwärmen. Es geht um mehr. Maria neu zu entdecken. Als Gott den Mann schuf, übte sie bloß. Mehr als eine Formel, Gott als Mutter, Schoß aus dem das Leben geboren wird, Symbol, heiliges Zeichen für alles Lebende. Die Wärmende, die Nährende, die Sorgende. Mutter unser im Himmel. Gedenke, o Mensch, daß du aus Staub bist und zum Staub zurückkehrst. Erde, Mutter Erde; und er ist fruchtbar noch, der Schoß aus dem das kroch. Maria, Ave Maria, Portrait in Mai : neunzehnhundertfünfundachzig. Punk, aber schön, kein Geld, kleine Bude, Sozialamt, katholisch (früher einmal), längst passé, kein Bock auf Männer (sie sind alle gleich, wollen nur das Eine); keine Ausbildung, no futur und doch: schwanger. Schwanger von der Liebe die größer ist, schwanger von der Hoffnung, schwanger, keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran, schwanger, und ihr könnt mir alle mal. Schwanger. Inmitten einer Welt der Scheinheiligen, - schein heilig -, des rap-bam-boom 4/4 takts, des video hamburgers, einer Welt der 4,2 Schulnote Deutsch Leistungskurs, der 3,723 Millionen oder mehr Arbeitslosen, des Waffen im Weltraum Friedens und Jahr - Internationales - der UNO -Jahr der Jugend- er wird geboren neunzehnhundertfünfundachzig, der neue Messias. Gottessohn, Gesalbter, Christus, Menschensohn, Messias. Maria, Bild einer Frau. Utopie, Hoffnung oder Wirklichkeit. 1. StationOb nun Josef oder nicht,Gabriel oder ein anderer, Heiliger Geist und überhaupt: Jedes Kind bringt die Botschaft, daß Gott die Lust am Menschen noch nicht verloren hat. Dankbar nehmen wir unser Kind an als Geschenk. Geschenk Gottes an die hoffende Menschheit. Wir heißen es herzlich willkommen in unserer Mitte und freuen uns auf das gemeinsame Leben. 2. StationHochzeit in Kanaa.Symbol des Festes. Des Nie-mehr-Weinens, des Wiederfindens, des Wohnung und Essen haben, des Glücklichseins, des Lachens. Und wie bei allen Festen der Menschheit: Der Wein geht aus. Das Wunder in Kanaa, das Wunder an der Weichsel, wie auch immer, Wein aus Wasser, oder Wein, von Freunden organisiert: Leben, Leben wird es geben, Leben, Leben vor dem Tod. Maria, wissend in der Hoffnung, nimmt und greift vorweg Gottes Geschenk: Ostern. Hochzeit, Heimat, Wiedersehen, Freude, Glück, Hoffnung, Auferstehung. 3. StationKreuz.Empörung, Aufregung, Skandal. Maria war dabei: Mitleid, Mit-leiden, Unverständnis! Aber: Solidarität. Maria ebenso: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen ? Allein mit dem mißratenen Sohn, dem Abtrünnigen, den Erbärmlichen, dein Verlierer, dem Spinner, dem Utopisten. Vielleicht verstand sie wirklich nicht, worum es ging. Aber sie konnte ihren Sohn in dieser Situation nicht allein lassen. Solidarität. 4. StationAuferstehungWas sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Die Frauen, die das Grab fertig machen wollten. Die vielleicht an gar nichts glaubten, aber doch die Möglichkeit der Auferstehung ernst nahmen. Und sie erzählten es den Aposteln. Maria, neunzehnhundertfünfundachtzig. Die Geschichte unsres Glaubens ist immer eine Geschichte der Frauen, auch wenn diese Geschichte oftmals verdrängt wurde. Die feministische Theologie steht erst an ihren Anfängen. Trotz alledem , das Gebet der Maria : (Ein Manifest der Emanzipation)"Meine Seele preist die Größe des Herren, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürtzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig." Lk, 1,46-55 Vorgetragen als Einführung anläßlich der Diözesanversammlung des BDKJ-Berlin am 5. Mai 19B5
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