 BLUES IN DER NACHT, KAFFEE UND SO
Schon wieder wieder fährt ein Bus am Fenster vorbei vorbei so wie hier auch alles andere vorbei geht, läuft, rennt, fährt, eilt, hastet, was, das ist eigentlich nicht wichtig nur vorbei, hauptsache vorbei, natürlich es interessiert niemanden, hauptsache vorbei, aber wenn die hauptsache vorbei ist ja, was war dann, was ist dann. Hauptsache glücklich, Glück im Unglück, Ein Unglück kommt selten allein, allein sein ist alles, Geld ist nicht alles, Alles für die Katz. Eben nicht.
Hervorragend, der Flipper, irgendwann ist Tilt, dann ist alles klar: Nichts geht mehr, si vous plai oder so. Dies hier ist kein Play, kein Game, kein Spiel, nein, diesmal nur die Weggabelung, hier der eine, dort der andere, gemeinsam nicht mehr, erstmal nicht mehr was später kommt, wer mag das überblicken.
Okay Freunde, weg mit dem Herumgerede, es ist vorbei, erstmal vorbei ich hab' es nicht gewollt hab' wohl mit Schuld, und, ich liebe sie noch immer, ich will sie wiederhaben, besseres fällt mir nicht ein zu dem was ich will, zu dem was ich fühl ich will mich, ich werde mich ändern, nicht für ungefähr, nicht für sie, für mich, meine Rechnung liegt offen, die Defizite sind klar ich hab viel vor und ich frage mich ich lieb sie noch immer ist es denn eine Schande, dies zu bekennen ich will sie wiederhaben ist es denn eine Schande, dies zu wollen und ich hab Mist gebaut, wer sollte mir das übelnehmen, wenn nicht ich mir selbst und es ist mir peinlich zu gestehen, daß es vorbei ist und nicht ich hab es ihr gesagt, sondern sie mir es. Doch, was ist da schlimm dran, Männerklischee, natürlich. (Aber:) Sie hatte recht.
Wir hätten uns sonst was in die Tasche gelügt, hätten uns fort und fort geschleppt.
Mein Gott, sie war meine erste richtige Frau, ist es denn eine Schande, dies zu sagen. ist es denn schlimm, erst mit 19 «in Mann geworden zu sein, durch sie, ist es denn schlimm, eine Liebe nicht aufgeben zu wollen, noch immer an dieser Frau zu hängen.
Wer weis, wie ich denke, was sein wird, später, wenn ich dies noch einmal lese. Aber mein ganzes Denken, Fühlen, Wollen Leiden und Hoffen ist konkret, hier und jetzt, nirgendwo anders und ich weis zumindest in diesem einen Fall was ich will, und das ich viel vorhab, verdammt viel vorhab, aber diesmal eben nicht down the dusty higheay mit der letzten Camel ohne und dem zwölften Bier, trotzdem einsam und schweigsam durch die Straßen, vielleicht mit einer Weggenossin an der Seite, vielleicht, auf dem schnellsten Weg ins El Dorado meiner Träume, vielleicht allein, die highway ins nirgendwo.
Verdammt, ieh bin nicht der Typ der sagt, Babe, ich komme wieder, dann aber für immer oder ich komme gar nicht mehr, aber, mag sein, es ist gut so, wenn alles so einfach wär, ich glaub, ich wär kaputt, fix und fertig aber so, so ist noch Hoffnung.
Spiel mir das Lied vom Tod, bitte, ich kenn den Western nicht, Freunde: Aber ich hoffe, er ist trotzdem durchgekommen.
Stefan Schneider 2/2/86
Editorische Notiz:
Es geht hier um Claudia Maria Müller, meine erste längere Beziehung, sie hat immerhin eineinhalb Jahre gehalten. Es ist also kein Wunder, dass ich in diesem Gedicht doch sehr mein Leiden darüber ausdrücke, wieder allein zu sein. Heute kann ich sehr genau sagen, warum diese Beziehung in die Brüche gegangen ist: Ich merkte, dass mich Claudia mehr oder weniger - ohne es direkt zu sagen - in eine verbindliche Beziehung, in eine Ehe drängen wollte. Es ging ihr auch um die Frage, dass ich in der Lage sein sollte, sie zu versorgen. Ich war dazu damals nicht bereit, und zog mich Stück für Stück aus dieser Beziehung zurück. Dennoch, es war eine sehr schöne Zeit mit Claudia Maria. Wir hatten uns über die Jugendarbeit kennen gelernt, ihr verdanke ich meinen Job beim Fogelfrei (heute Zum Patentamt), und in ihrer Wohnung in der Alexandrinenstraße haben wir viele schöne Stunden verbracht. Sie schenkte mir Tiger, meine Katze zum Geburtstag. Was mit der Katze geschah, ist noch ein anderes Thema) und ich erinnere auch eine schöne Reise nach Rom und schöne Stunden am Strand am Mittelmeer. Leider habe ich den Kontakt zu Claudia Maria bald verloren.
Warschau 09.01.2012, Stefan Schneider
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