| Schneider, Stefan: Dichtungen 002. Beklemmt. Um 1986 | | Drucken | |
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Beklemmt fühle ich mich, erdrückt von der Last der Materie, aber auch von der Last dieser alles umgebenden und scheinbar unüberwindbaren Nichtigkeit und Sinnlosigkeit. Es scheint mir unmöglich, mich aufzurichten, aufzustemmen gegen diese Last, aber wieso auch ? Befreit will ich sein aus der Fehlerhaftigkeit, aus der Unvollkommenheit, aus der Endlichkeit, die wie Ketten an mir hängen, die mich zwingen, so zu sein wie ich bin. Unzufrieden bin ich, denn das Leben gibt mir nicht, was ich mir erträume. Alles ist nur ein dürftiger Ersatz für das, wovon ich jetzt nur ahnen kann, ein totales Sein, einen Zustand, den andere Gott nennen. Es genügt mir nicht, mein jetziges Sein, weil es ein Suchen ist ohne Ziel, ein Fragen ohne Antwort. Was nützt mir ein Ziel, von dem ich weiss, dass ich es mir selbst gestellt habe, und dass ich nicht ehrlich war gegen mich selbst; ein Ziel, das nur dazu dient mein Suchen zu unterbinden oder meinen Blick auf das Unendliche, Ewige erblinden zu lassen. Gott, du bist unendlich, ewig! In Dich möchte ich mich fallen lassen, in einen Fall ohne Ende. Ich möchte meine Fragen durch deine Antworten aufgefüllt wissen, ja, ich möchte aufgelöst sein in dir, du bist du und ich bin ich und ich bin in dir und du bist in mir, und doch ist jeder sich selbst, so soll es sein!
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