Schaubild: Kreativ lernen, Quelle: WikiCommons, Details ArtikelendeErfahrungen sammeln ist eine individuelle Sache der Natur. Durch verschiedene Einflüsse, Ausgangssituationen und Umstände entwickeln sich Persönlichkeiten und Erfahrungsschätze auf einzigartige Weise. Dieser Grundsatz gilt auch für das Lernen. Einige Menschen lernen in freier Umgebung schneller als in dem starren Konzept des Klassenraumes. Ist das traditionelle Lernmodell Schule in der modernen Gesellschaft überholt?

Es gibt verschiedene Ansichten, die für und gegen das Lernkonstrukt des Klassenraumes sprechen. Neue Forschungen und Ansätze, die dem freien Denken zugrunde liegen, lassen die Stimmen für erweiterte Lernmodelle lauter werden. Doch das bisherige Schulmodell hat seine Vorteile. Für Kinder ist es wichtig, einen festen Platz zu haben, wo sie lernen können. Ein Klassenraum ist der perfekte Ort dafür, in dem Ablenkung ausgeschlossen ist. Der Fokus ist klar auf ein Ziel ausgerichtet: Lehrstoff soll aufgenommen werden.

Weiterhin bieten Schulen die Möglichkeit, sich direkt über gelernte Themen auszutauschen und Fragen zu stellen. Lehrer bieten Hintergrundwissen, welches sofort im Dialog ausgetauscht werden kann und auf altersgerechte Art vermittelt wird. Auch innerhalb des Klassenverbandes lassen sich Diskussionen anregen, die für einen erweiterten Meinungsaustausch hilfreich sind. Verschiedene Ansichten und Blickwinkel tragen dazu bei, ein größeres Bild der besprochenen Thematik zu zeichnen. Es sind Wissensressourcen, die nicht unterschätzt werden dürfen. 

Feste Strukturen

Das Konstrukt der 45-minütigen Stunden und der frontal ausgerichtete Unterricht bieten Kindern somit eine gewohnte Umgebung. Ziel und Aufgabe innerhalb dieses Rahmens werden verinnerlicht. Was für Schulanfänger jedoch noch neu und aufregend wirkt, entwickelt sich mit steigendem Alter zur nervigen Angelegenheit: Die starren Strukturen werden als Belastung empfunden und sorgen dafür, dass mit Handys, Magazinen oder Gesprächen eine Flucht aus dem Lehrkonzept gesucht wird. Die Folge ist Unaufmerksamkeit und fehlendes Wissen.

Offene und flexible Lernstrukturen sind in einem Klassenzimmer somit schwer umsetzbar. Auf einige Schüler kann der Raum auch eine bedrückende Wirkung ausstrahlen, die Enge vermittelt. Die gedrückte Stimmung wirkt sich auf die Lernbereitschaft aus und senkt die Erfolgskurve. An dieser Stelle können Lehrer versuchen, ihren Lehrplan zu variieren. Durch Einbindung neuer Medien können Inhalte moderner vermittelt werden und suggerieren ein offenes Lernen, das nicht nur durch Bücher und Arbeitsblätter möglich ist. Ein freies Lernumfeld wird dadurch jedoch nur bedingt geschaffen.

Ansätze zur Veränderung nutzen

An genau diesem Punkt sollte aber die Optimierung einsetzen. Schulen werden das führende Lehrkonzept bleiben, um Kinder mit Wissen zu versorgen. Doch veraltete Lehrstoffe und -material können durch den Einsatz von Filmen, interaktiven Karten oder praktischen Beispielen den Wünschen der Schüler angepasst werden. Es geht nicht darum, Lehrstoff in ein digitales Korsett zu zwingen, sondern Tradition und Moderne zu vereinen. Durch die täglichen Reize sind Schüler und Jugendliche auf Bewegtbilder und Töne gepolt. Schule soll kein Ort sein, dies unnötig zu fördern, aber sie kann darauf aufsetzen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Die Bereitschaft des Lernens würde durch die moderne Medieneinbindung enorm wachsen. Hier sind jedoch Lehrer, Eltern und Schulämter gefordert: Gemeinsam müssen offenere Varianten für Lehrpläne und Inhalte gefunden werden. Wenn diese Basis sich flexibler gestaltet, können Lerneffekte bei der jungen Generation wachsen. Eine Herausforderung, die Zukunft hat.


Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kreativ-lernen.jpg

Urheber: Markus Bärlocher

Tiny-House-Siedling in Portland, Oregon. Foto: WikiCommonsKaum ein Mensch hat die Bedeutung des Wohnens besser auf den Punkt gebracht als Nelly Sachs (1891-1970) in ihrem Gedicht „In meiner Kammer“. Sie schreibt:

In meiner Kammer
wo mein Bett steht
ein Tisch ein Stuhl
der Küchenherd
kniet das Universum
um erlöst zu werden
von der Unsichtbarkeit.

Der nomadische Mensch der Steinzeit ist abgelöst worden vom wohnenden Menschen, und das Kondensat dieser Seßhaftigkeit ist der umbaute, gestaltete, in Besitz genommene Raum. Im Gegensatz zum gegenwärtigen Warenwahnsinn, der uns meinen lässt, immer mehr haben zu müssen, um Sein zu können, umreist sie präzise, worum es geht beim Wohnen. Schlaf, Kultur, Arbeit, Wärme und Ernährung. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Wir müssen uns die Kammer von Nelly Sachs karg denken. Es ist die Kargheit, die Raum schafft für das menschliche Universum. Und wer ist mit dem Elend der Unsichtbarkeit härter konfrontiert als Menschen ohne Obdach: Eine stets brüchige Form des Überlebens, die auf Erlösung wartet, denn Wohnraum tut not! In der eigenen Wohnung erst kann sich Menschlichkeit erfüllen und entwickeln.

So ist es kein Zufall, dass wir in Nelly Sachs eine Pionierin der Tiny House-Bewegung sehen können. Menschen, die mit Vorsatz und Bedacht ihr Wohnen auf das wesentliche reduzieren. Dennoch, auch die Entscheidung für ein auf das Mindestmaß reduziertes Haus kostet Geld, vor allem, wenn dazu nach noch ein Grundstück erworben werben muss. Hier kommt der ländliche Raum ins Spiel. Während in Metropolen die Preise in die Höhe schießen und Wohnraum – selbst zur Miete – selbst für halbwegs mit Geld ausgestattete Menschen kaum noch bezahlbar ist, gibt es im ländlichen Raum noch deutliche Reserven, vor allem in sogenannten strukturschwachen Regionen. Hier lassen sich, wie ein ein kurzer Beitrag aus der Stadt Plauen in Sachsen zeigt, noch erhebliche Kosten sparen.

Überhaupt ist zu überlegen, ob das Konzept von Eigentum und Privatheit von Grund und Boden noch zeitgemäß ist. Privat- das Wort stammt aus dem lateinischen von privare und meint: Berauben. Was einem gehört, ist dem anderen verwehrt. So kommen wir nicht weiter. In der Vergangenheit gab es etwas, was heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Die Allmende. Das waren Dinge, die allen gehörten. Das konnte Wald sein, oder Weideland oder ein See. Und schon war die Notwendigkeit da, sich gemeinsam über die Grundregeln der Nutzung zu verständigen. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 14.09.2019,

Stefan

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tiny_houses_on_display_in_Portland,_Or.jpg:Tiny_houses_on_display_in_Portland,_Or.jpg
Fotograph: Dan David Cook

Auditorium - Quelle: WikiCommonsRückblickend kann ich sagen, dass die wichtigsten Stationen meines Arbeitslebens gar nichts mit Bewerbungen zu tun hatten, sondern mit Ideen, die ich in Form von Konzepten aufgeschrieben habe. So kam ich zu meinem Forschungsprojekt und letztlich zu meiner Arbeit an der Universität, dann später gründete ich einen Verein, unter dessen Dach wir ein Angebot nach dem anderen entwickelten. Und auch meine letzte Idee, Menschen zusammen zu bringen, führte zu einer ebenso intensiven wie aufregenden beruflichen Tätigkeit.

Vor einigen Jahren hatte ich genug von meiner Tätigkeit als einer der drei geschäftsführenden Vorstandsmitglieder eines Vereins. Ich hatte den Eindruck, mehr oder weniger oberster Verwaltungsleiter einer Einrichtung zu sein, die sich etabliert hatte und bei der es mehr oder weniger darauf ankam, Mitteilungen und Hinweise hin und her zu schieben. Jeder Elan war verschwunden, und alle waren zufrieden mit dem Erreichten. Nur ich nicht.

Die Ausschreibung einer Professur war der Anlass, mich nicht mehr einer Wiederwahl zu stellen und das operative Geschäft aufzugeben. Die Professur war für mich wie maßgeschneidert, ein völlig neues Aufgabenfeld. Während ich schon fieberhaft überlegte, was ich alles anschieben und bewegen könnte, wenn ich diese Stelle hätte, kam ich in der Praxis nicht über einen Probevortrag hinaus. Ganz offensichtlich hatte ich übersehen, dass es nicht allein darauf ankam, was ich tun wollte, sondern auch darauf, andere davon zu überzeugen, dass ich die richtige Person für das war, was in der Stelle verlangt war.

Mir wurde klar, dass ich gut gestaltete Bewerbungsunterlagen (https://designbewerbung.net) brauchte. Zum Glück hatte ich meine biographischen Stationen für mich selbst gut dokumentiert und brauchte das nur noch zusammen zu stellen. Ich war beeindruckt, welch eine Fülle an Aktivitäten, Engagements, Tätigkeiten, Themen, Aufgaben und Kompetenzen hier zusammen kamen. Meine Geschichte war, das war ganz offensichtlich, eine Erfolgsgeschichte. Und weil ich um die Bedeutung sinnlicher Eindrücke wusste, war klar, dass es in erheblichem Maße darauf ankam, dies auch darzustellen. Deshalb widmete ich der Gestaltung der Unterlagen besondere Aufmerksamkeit.

In den nächsten Monaten wurde ich sehr oft zu Probevorlesungen eingeladen, was meistens auch mit Spaß und Wechselbädern der Gefühle verbunden war. Zu einer Stelle als Professor hat es bislang trotzdem nicht gereicht. Meine Vermutung ist, dass ich zu kreativ, zu unkonventionell, zu selbstbewusst war für die inzwischen weitgehend normierten Lehr- und Forschungskonzeptionen an deutschen Hochschulen. Aber das ist ein anderes Thema.

Die andere Seite kenne ich auch. Dass sich Leute bei mir bewerben. Und soviel kann ich verraten: Immer dann, wenn mir Menschen durch ihre Bewerbung positiv aufgefallen sind, habe ich sie auch in der Regel eingeladen, allein aus Neugier. Weil ich wissen wollte, wer sich hinter einer frechen, originellen und gut gestalteten Bewerbung verbirgt. Daraus sind dann häufig produktive Arbeitsbeziehungen entstanden.

Berlin, 18.11.2018

Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2012%EB%85%84_%EA%B2%BD%EC%A0%9C%EC%A0%84%EB%A7%9D_%EC%84%B8%EB%AF%B8%EB%82%98.png:2012%EB%85%84_%EA%B2%BD%EC%A0%9C%EC%A0%84%EB%A7%9D_%EC%84%B8%EB%AF%B8%EB%82%98.png

Fotograf: Eieione

A patient having his teeth drawn by a dentist. Etching 1900 - Quelle: WikiCommonsAusnahmsweise beginne ich mit guten Nachrichten. Die Zeit von Versuch und Irrtum, die Zeit, in der Zahnärzte, die sich auf Implantationen spezialisierten, am Patienten lernen mussten, sind vorbei. Es gibt seit Ende der 90er Jahre von einer Göttinger Firma (https://gos-implant.com) entwickelte, hochwertige und ständig verbesserte Modelle zur Simulation der Arbeit, Zahnimplantate vorzubereiten und einzusetzen. Damit kann bereits in der Ausbildung Kompetenz erworben und in der späteren Berufspraxis verfeinert werden. Auch für die Fortbildung von Zahnärzten und Zahnspezialisten sind diese Modelle nutzbar und werden in der Regel von Instituten und Universitäten eingesetzt. Kompetenz durch Lernen am Modell und beruflicher Erfahrung. Wäre das bereits vor Jahrzehnten state-of-the-art gewesen, wäre mir so manche Leidensstunde erspart geblieben. Aber ich bin, wie ich sogleich gestehen möchte, nicht unschuldig daran.

Als ich mit 19 endlich von zu Hause ausgezogen bin, hatte ich die ersten Jahre ganz andere Gedanken als mich um meine Zähne zu kümmern. Warum auch, die waren in Ordnung, und ich wollte das selbständige Leben in vollen Zügen genießen. Lange Jahre während meiner Kindheit trug ich eine Zahnspange, und das beste daran war, wenn einmal wieder eine neue Anpassung nötig war. Dann wurde eine rosafarbene Paste in ein Förmchen gespachtelt und mir auf die Zähne gedrückt. Das machte irgendwie Spaß und schmeckte auch ein bisschen nach Himbeer oder so. Aber das war ein Ding meiner Mutter – also die kümmerte sich um die ganzen Termine und so und dass ich die Spange regelmässig trage. Insgesamt ist mein Gebiss mit dieser Unterstützung gut geraten, würde ich mit einem Abstand von mehreren Dekaden doch feststellen wollen.

Aber damals, in dieser wilden Studentenzeit musste ich alles mögliche ausprobieren und testen, und dazu gehörte auch, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Bügeln zum Beispiel. Oder auch Zähneputzen. Ich wahr einfach zu faul dazu. Ein paar Jahre später fing es dann an mit den Zahnschmerzen. Da ich nicht ernsthaft Lust hatte, zum Zahnarzt zu gehen, behandelte ich den Schmerz einfach mit Wodka. Immer schön die Flüssigkeit an die schmerzende Stelle gespült, und tatsächlich, nach drei vier Tagen und etlichen Flaschen war der Schmerz weg. War ich froh. Doch die Ruhe war nur von kurzer Dauer. Kaum ein Vierteljahr später ging es an anderer Stelle wieder los, und als sich nach drei Tagen Wodka-Intensiv-Behandlung kein Erfolg einstellte, war klar, ich muss zum Zahnarzt.

Es folgte eine schmerzhafte Zahnwurzelbehandlung, über die ich eigentlich gar nicht mehr nachdenken möchte. Und es sollte nicht die letzte Zahnwurzelbehandlung bleiben. Zweifel an der Behandlung kamen mir, als der Bohrer, mit dem der Mann mich quälte, abbrach und ein Stück davon im Zahn stecken blieb. Damals war ich nicht mutig genug, hier zu intervenieren. Jahre später wurde der Drahtstift dann anläßlich einer Röntgenaufnahme wieder gesichtet, weil sich in dem Bereich Eiter gebildet hatte.

Ich möchte Euch die Einzelheiten ersparen. Auf jeden Fall bin ich vor gut 15 Jahren bei einer Zahnärztin gelandet, die ebenso umsichtig wie handwerklich kompetent meine Zähne behandelt und die mir zuletzt erst versichert hat, dass dritte Zähne durchaus nicht unausweichlich sind, sondern dass es durchaus möglich ist, dass ich meine Zähne bis hin das hohe Alter behalten kann. Und übrigens, ich putze jetzt auch deutlich öfter die Zähne als früher.

Hamburg und Kopenhagen, 10.08.2018

Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_patient_having_his_teeth_drawn_by_a_dentist._Etching._Wellcome_L0034618.jpg:A_patient_having_his_teeth_drawn_by_a_dentist._Etching._Wellcome_L0034618.jpg
Quelle: WikiCommons

- scheinheilige Beschlüsse der Kirchengemeinde Berlin-Blankenburg

Michelangelo Buonarrotti - Der Prophet Jeremias - Quelle: WikiCommonsLiebe Kirchengemeinde Blankenburg,
lieber Gemeindekirchenrat,
lieber Pfarrer Hagen Kühne,
lieber Martin Runge,

Eure Stellungnahme zur Entwicklung des Blankenburger Südens überschreibt Ihr mit "Die Kirchengemeinde Blankenburg steht an der Seite der von der Planung in ihrer Existenz Gefährdeten."  - „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN“ Jeremia 29,7.

Dazu wollen wir doch bitte festhalten: Es gibt in dieser Stadt Berlin mehr als zehntausend wohnungslose Menschen, und von diesen schlafen sehr viele draußen auf der Straße. Deren Existenz ist tagtäglich bedroht, ihre Menschenrechte werden mit den Füßen getreten. Alle Hilfemaßnahmen, seien es Kältebus, Notübernachtungen, Suppenstube oder Arztmobil ändern an ihrer Lebenssituation nur wenig, sie mildern lediglich die unmittelbare Not.

Es liegt auf der Hand, dass letztlich nur eine eigene Wohnung ein Leben in Würde und Selbstbestimmung gewährleisten kann. Und um den Bau von Wohnungen geht es in Blankenburg.

Und selbst wenn sofort mit dem Bau von Wohnungen in Blankenburg begonnen werden würde, wären die wohnungslosen Menschen immer noch die letzten, die davon profitieren würden.

Genau an diesem Punkt wäre das Engagement Eurer Gemeinschaft der Heiligen, die dem Mann am Kreuz nachfolgen will, gefragt.

Ihr endet Eure Stellungnahme mit den Worten: "Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten besonders bei denen, die um ihre Existenz fürchten." und meint die, die durch die Umsetzung der Planungen benachteiligt werden könnten.

Die unglaubliche Not derer, die jeden Tag um ihr pures Überleben kämpfen müssen, hat in Eurer Erklärung offenbar keinen Raum und in Euren Gebeten offenbar keinen Platz. Jesus Christus, der Gründer Eurer Gruppe, würde sich im Grabe umdrehen, würde er wissen, wie Ich-Bezogen Ihr mit seiner Botschaft umgeht.

Ich möchte das beanstanden und von Euch einfordern, Solidarität auch gegenüber jenen zu zeigen, deren Not Euch offenkundig nicht so nahe ist und Wohnungen für diese Menschen auch und gerade in Blankenburg einzufordern.

Kehret um, tut Buße und wendet Euch den geringsten Eurer Brüder und Schwestern zu, so wie der HERR es getan hat.

Den Segen des Allmächtigen auf Euch herabrufend,

konkrete Taten und keine Antworten erwartend,

verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Stefan Schneider

Freistatt in Niedersachsen, am Festtag der Heiligen Monika von Tagaste

Beschluß vom 6.3.2018

Die Kirchengemeinde Blankenburg steht an der Seite der von der Planung in ihrer Existenz Gefährdeten.

 „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Sprüche 31,8

Uns erreichen viele Hilferufe von Anlagenbewohner/innen und Pächtern von Kleingärten aus unserer Gemeinde und aus der ganzen Region. Viele Menschen sind verunsichert und fühlen sich von den politischen Entscheidern im Stich gelassen oder getäuscht. Die jetzt vorgestellten Planungsvarianten  A – C stellen vor allem für die etwa 400 in der Erholungsanlage Blankenburg Wohnenden eine existentielle Bedrohung dar. Dabei geht es nicht nur um das allgemeine Problem steigender Kosten für Mieten oder eine mittelfristig zu erwartende Belastung des eigenen Wohnumfeldes durch Verkehrsbauten und Infrastrukturprojekte, sondern die Betroffenen sprechen bei der nun vorgestellten Überplanung der Anlage Blankenburg sowie der Kleingärten im Großraum Blankenburg von Vertreibung und erleben die vorgestellten Planungsvarianten als Vernichtung einer seit mehr als 100 Jahren gewachsenen Lebensform.

Die Kirchengemeinde hat bisher das Großvorhaben einer städtebauliche Entwicklung und Beplanung der vorhandenen unbebauten Freiflächen im Blankenburger Süden konstruktiv und kritisch begleitet. Sie begrüßt die bisherigen Aussagen der Politik zur Verträglichkeit der Einbettung in das vorhandene Wohnumfeld und arbeitet mit an der Planung zur Weiterentwicklung der verkehrlichen, sozialen und kulturellen Infrastruktur. Wir haben Menschen ermutigt, sich als Bürgerinnen und Bürger politisch zu engagieren. Wir haben viel Zeit und Kraft in die Entwicklung eines vernünftigen Bürgerbeteiligungsverfahrens investiert.

Wir sehen jedoch in der nun im Rahmen der Bürgerbeteiligung vorgestellten großräumigen Erweiterung des für die Bebauung vorgesehenen Raumes eine Abkehr von dem bisher eingeschlagenen Weg. Wir sind sehr betroffen, daß diese Kursänderung ohne vorherige Kommunikation mit den Menschen erfolgte, die sich mit einem sehr hohen Aufwand für die Entwicklung dieses Beteiligungskonzepts engagiert haben. Wir sind sehr enttäuscht, daß die politisch Verantwortlichen offenbar nicht erkennen, welche große historische, soziale und ökologische Verantwortung sie für die Erhaltung der Erholungs- und Kleingartenkultur in unserem Raum haben.

Wir setzen uns mit großem Nachdruck dafür ein, daß die politisch Verantwortlichen zum verabredeten Verfahren und zu dem bisher eingeschlagenen Weg zurückkehren. Die vorgestellten Entwicklungsvarianten A –C stellen dafür keine Diskussionsgrundlage dar.

Die bisher erkennbaren Anstrengungen der Verwaltung, die Betroffenen umfassend zu informieren, reichen bei weitem nicht aus, um die jetzt vorhandenen Unsicherheiten zu beseitigen. Wir hoffen, daß die handelnden Personen Schritte einleiten, die zu einer Beruhigung der sehr angespannten Lage beitragen können. Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten besonders bei denen, die um ihre Existenz fürchten.

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN“ Jeremia 29,7

Für den Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Blankenburg

Pf. Hagen Kühne, Martin Runge                                                                                            Berlin-Blankenburg 6.03.2018

Abbildung:  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michelangelo_Buonarroti_027.jpg:Michelangelo_Buonarroti_027.jpg

Foto eines Graffittis von Banksy, Details siehe Artikel unten, Quelle: WikiCommonsDa hatte ich nun den Segelschein gemacht und kaufte mir mein erstes Boot, es wäre eine Yxilon-Jolle aus Plastik. Das besondere war, dass  ich sie nach dem Segeln in der Box mit einer speziellen Hebelkonstruktion aus dem Wasser heben konnte. Das gefiel mir gut. Nach ein paar Jahren hatte ich davon genug und neue  Pläne. Ich wollte mit dem Boot auf Tour gehen. Also verkaufte ich die Jolle und besorgte mit einen Jollenkreuzer, was bekanntlich eine etwas größere Jolle mit Kajüte ist. Das war das perfekte Schiff für längere Touren, weil man da prima drauf leben und in der Kajüte wunderbar übernachten konnte. Das ganze hatte nur einen kleinen Nachteil: Das Boot war deutlich größer und schwerer und es gab keine Konstruktion mehr, um das Boot aus dem Wasser zu heben.

Am Ende der Saison hatte sich dann immer eine dicke braune Schmutzschicht um die Wasserlinie herum gebildet. Und die galt es dann im Oktober, wenn das Boot aus dem Wasser kam, gründlich abzuschrubben, was bei den Temperaturen im Freien nun gewiss kein Vergnügen ist. Halbwegs erträglich war es, wenn ich das Putzwasser vorher etwas erwärmte. Dann ging es auch leichter.

Eines Tages kam dann Klaus vorbei und sagte: Warum machst Du es Dir denn so schwer? Nimm doch einfach einen Kärcher und kärchere das Boot ab. Klaus war immer für praktische Ratschläge gut. Er lieh mir seinen Kärcher, und jetzt musste ich den nur noch in Bootsnähe an Strom und Wasser anschließen und los ging es. Das war vielleicht eine Freude: Mit dem Gerät musste ich nur noch einmal langsam rund um das Boot gehen und der harte Strahl machte die Arbeit. Bei ganz hartnäckigen Stellen war es hilfreich, mit einer Bürste etwas vorzuarbeiten, damit der Schmutz sich löste.

Später dann habe ich mich einem Segelverein angeschlossen, und der verfügte über zwei Hochdruckreiniger und das war dann arbeitsteilig organisiert. Das heißt, bei jedem Boot, dass dann aufgeslippt wurde, standen zwei Leute bereit, die dann jeweils an einer Seite das Boot reinigten. Für diese Arbeiten habe ich mich dann gerne freiwillig gemeldet, denn es ist ja immer schön, anderen Menschen eine Freude bereiten zu können.

Und dann habe ich nochmal nachgesehen: Ein Kärcher heißt deshalb Kärcher, weil Alfred Kärcher etwa um 1950 den Kärcher, also einen Hochdruckreiniger erfunden hatte. Hätte er nicht Kärcher sondern Kungel geheißen, würde man wahrscheinlich heute kungeln statt kärchern. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 08.06.2018
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Banksy_Pressure_Washing_Away_Art.jpg

Foto: Dominique

1962 Wood Badge Monetery - Quelle: WikiCommons, weitere Angaben im ArtikelMeine ersten Erfahrungen mit einem Flipchart machte ich vor mehr als 30 Jahren, gegen Mitte / Ende der 80er Jahre. Damals studierte ich Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Technischen Universtität Berlin. Eine der wichtigsten Veranstaltungen, an die ich mich bis heute erinnere, war das Diplomanden-Kolloquium bei C.W. Müller. Wir trafen uns während des Semesters immer dienstags vormittags in seinem Büro, es war ziemlich eng. Am Fenster stand sein Schreibtisch, die Wände waren voller Bücherregale. Dazwischen ein langer, schmaler Tisch. Wenn alle ihren Kaffee hatten – C.W. kochte für uns immer Filterkaffee, stellte Milch und Zucker auf den Tisch – ging es los. Reihum hatten wir Studierende die Aufgabe, den anderen unsere Diplomarbeitsidee vorzustellen. Das wurde dann ausgiebig in der Gruppe diskutiert. C.W. ließ uns erstmal erzählen, stellte Verständnisfragen, griff selten in die Diskussion ein.  

Das Hauptproblem auf diesen Sitzungen war – so meine Erinnerungen – daß die meisten Arbeiten interessegeleitet waren. Wir hatten alle irgendwo entsprechend unserer Wünsche und Vorlieben in einer Einrichtung der Sozialen Arbeit ein Praktikum absolviert, wir fanden diese Einrichtung gut und wollten darüber unsere Arbeit schreiben. Unsere Diskussionen kreisten regelmässig um die Frage, um was genau es in dieser Arbeit dann gehen sollte. Meistens an dieser Stelle griff C.W. ein. Er griff sich einen Filzer, ging zum Flipchart und schrieb eine Überschrift: „Stadtteilarbeit in Schöneberg“ oder „Karate in der Sozialen Arbeit mit Jugendlichen“ oder „Suchtberatung bei Heroinabhängigen“ … was eben das Thema war.  Und dann folgte in der Regel eine messerscharfe Frage: „Was genau ist denn das Problem?“ So entwickelten wir Stück für Stück anhand konkreter Fragestellungen das übliche Instrumentarium des wissenschaftlichen Arbeitens. Problem – Stand der Forschung – Hypothese – Methodologie – Untersuchung – Ergebnisse – Bewertung.

Am Ende des Kolloquiums riss C.W. das vollgeschriebene Papier vom Flipchart und überreichte es dem Studierenden mit dem Satz: „Hier, schenke ich Dir!“ Meistens enthielt dieses Papier eine von uns allen gemeinsam erarbeitete fertige Grobstruktur der geplanten Diplomarbeit und wer sich mehr oder weniger daran hielt, musste sich um seine Diplomarbeit keine großen Sorgen mehr machen. Mit selbst ging es nicht viel anders.

Auch bei mir steht heute noch – neben einer großen Pinnwand – ein Flipchart im Büro. Flipcharts wie meins kann man auf dieser Seite unkompliziert auswählen und bestellen. Wenn ich für mich alleine bin, reicht mir ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch, aber insbesondere dann, wenn ich mit anderen etwas bespreche, greife ich gerne zum Filzstift und versuche, meine Ideen oder meine Sicht des Problems auf dem Flipchart festzuhalten. Meistens ergeben sich dann in gemeinsamer Arbeit brauchbare Lösungen, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Inzwischen gibt es sogar schon digitale Flipcharts, aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 10.04.2018
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1962-wood-badge-monterey.jpg:1962-wood-badge-monterey.jpg,
Quelle: WikiCommons,
Urheber: Szentkiralyi

Gefangener Maulwurf, Quelle: WikiCommons; Fotograf Michael DufekVor einigen Jahren traf ich mich mit Ulla in Mannheim. Ich war gerade in der Nähe und hatte einen Vormittag lang Zeit. Wir sprachen über meine beruflichen Perspektiven und dass ich in nächster Zeit viel unterwegs sein würde. Das wäre natürlich klasse, wenn ich von überall gut arbeiten könnte. Im Internet. Einen großen Teil meiner Arbeit kann ich im Internet erledigen. „Dann richte Dir doch einen Hot-Spot ein!“, sagte Ulla. „Einen Hot-Spot?“, fragte ich und muss dabei geguckt haben, wie ein Auto. Sie zückte ihr Smartphone, drückte eine paar Tasten und sagte: „So, jetzt mach‘ mal Deinen Klaprechner an und log Dich ein!“ Das klappte auch, ich konnte meine Emails abrufen und mir ein paar Seiten im Internet ansehen. Das war ja klasse, ich war begeistert. Mit einem Hotspot könnte ich mir also überall auf der Welt selber einen Internet-Zugang einrichten.

Es dauerte nicht lange und ich besaß ein eigenes Smartphone. Und dann noch einen schönen Vertrag mit einem Internet-Anbieter wie zum Beispiel von winsim.de. Das war toll. Egal wo ich war, ich richtete mir einen Hotspot ein und konnte mit dem Rechner sofort loslegen. So hatte ich mir das vorgestellt.

Was ich nicht wusste und was mir keiner gesagt hat: Gerade auf dem Land ist die Internetverbindung doch recht langsam. Also ein Deutschland. So langsam, dass es einige Minuten dauert, bis eine Seite geladen oder eine email übertragen wird. Unter solchen Umständen ist es natürlich vollkommen sinnlos, sich einen Hotspot einzurichen. Ganz offenbar sind die Internet-Netzanbieter der Meinung, dass Fuchs und Hase kein Internet brauchen. Wildschweine und Igel auch nicht. Und Wälder, Wiesen und Felder prinzipiell auch nicht.

Also überall, wo nicht gerade Stadt ist, lässt die Internet-Geschwindigkeit schwer zu wünschen übrig. Mein Arbeitsplatz in Niedersachsen befindet sich in einem Dorf, in dem es wahrscheinlich mehr Maulwürfe als Bewohner gibt. Und jetzt dürft ihr mal raten, wie schnell dort die Internet-Verbindung ist? Genau. Es liegt also an den Maulwürfen. Vor allem an den Maulwürfen. Anders kann es nicht sein.

Zum Glück blicke ich ja gelegentlich über den Tellerrand. So war ich im letzten Jahr in den Niederlanden und in Polen. Und dort gab es auch auf dem Land ein schnelles Internet. Seit dem überlege ich, auszuwandern. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich wäre dann so etwas wie ein Wirtschaftsflüchtling. Genauer gesagt, ein Internet-Flüchtling. Und alles das nur, weil deutsche Maulwürfe kein Internet brauchen.

Berlin, 27.03.2017

Stefan Schneider

Abbildung: Maulwurf gefangen; Quelle WikiCommons; Urheber/ Fotograf: Michael Dufek

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maulwurf_gefangen2007.jpg

 

JMW Turner - Flint Castle 1838 - Quelle: WikiCommonsIch schlafe gerne lange. Meistens ist es am Abend vorher spät geworden. Nicht das ich an Schlaflosigkeit leide, aber ich liebe die Einsamkeit der Nächte. Keine – oder fast keine – Anrufe, niemand – oder fast niemand - der oder die spontan noch vorbei kommt, keine Nachtpost und sonstige Störungen. Ich kann für mich sein, meinen Dingen nachgehen und das ist schön. Und das halte ich auch im Urlaub so.

Nun bin ich Segler, und wenn ich erst im Verlauf des Tages los fahre und mir weite Strecken vornehme, dann   kommt früher oder später die Dunkelheit. Das ist soweit nicht schlimm und es gibt auf dem Wasser genug Leuchttürme und blinkende Tonnen, aber auch ich muss gesehen werden, das ist Vorschrift und unabhängig davon eine sinnvolle Verabredung. Grünes Licht an Steuerbord, rotes Licht an Backbord, nach hinten raus ein weißes Licht und, wenn ich unter Motor fahre, ein weißes Licht.

Nun war es so, dass mein erstes Boot gar keine Lichterführung hatte, ich musste nachrüsten. Als langjähriger Abonnent vom Palstek wusste ich, dass LED-Positionslampen der neueste Schrei waren und zwar vor allem wegen dem unschlagbar niedrigen Stromverbrauch und der langen Lebensdauer. Ich griff also tief in die Tasche und leistete mir Positionslampen von LOPO-Light – echte, nahezu unzerstörbare Qualitätsware.

Zeitgleich traf die Jahresabrechnung von meinem Stromanbieter ein und mir war sofort klar, dass ich auch hier etwas tun konnte. Ich hatte zufälligerweise gerade etwas mehr Geld, als ich brauchte und begann zu investieren: Flur, Küche, Bad, Wohnzimmer, Arbeitszimmer – alle wichtigen und häufig benutzten Lampen wurden Schlag auf Schlag durch Osram-LEDs ersetzt. Es war wie ein Rausch – für den Deckenfluter gab es LEDs, für die Schreibtischlampe, für die Nachttischlampe, für das Badezimmerschränken, das Licht auf und unter dem Hochbett, die Weihnachtsbaumbeleuchtung und weiteres mehr. Für alles gab es Lösungen. Natürlich kostete das ein Vermögen, aber da musste ich immer an meine Freundin denken, die für solche Fälle die Losung parat hatte: Ich bin zu arm, um mir billige Dinge zu leisten. Ja, diese Investitionen würden sich langfristig auszahlen. Und so kam es auch. Ein Jahr später bei der Jahresrechnung des Stromanbieters hatte ich ein Guthaben von über 200 Euro. Damit konnte ich fast schon eine Kurzreise unternehmen und im Folgejahr sanken die monatlichen Abschläge.

Und noch mehr. Die meisten Lampen werden die angegebene Betriebsdauer von 20.000, 30.000 oder sogar 50.000 Betriebsstuben zu meinen Lebzeiten nicht im Entferntesten erreicht haben. Wer immer also in hoffentlich ferner Zukunft mal meinen Haushalt auflösen wird, wird überall, wo es etwas zu Leuchten gibt, LEDs finden, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht haben. Ob die Menschen, sich dann um meinen Nachlass kümmern, dieses auch zu schätzen wissen, ist eine ganz andere Frage.

Eigentlich, so könnte eins meinen, sollte sich diese Erkenntnis überall durchsetzt haben. Aber weit gefehlt. Da lernte ich doch vor gut zweieinhalb Jahren meine Traumfrau kennen und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass es in ihrem Haushalt noch ziemlich viele konventionelle Glüh(heiz)birnen gibt. Ich meine, es lohnt eben nicht zu warten, bis diese musealen Schätzchen ihren Geist aufgeben, sondern ein Austausch kann sofort und unmittelbar vorgenommen werden. Naja, und ab und zu mal bringe ich ihr tatsächlich eine neue LED-Leuchte mit – statt eines Blumenstraußes. Romantisch ist es trotzdem.

Berlin, 17.10.2017,
Stefan Schneider

PS: Das obige Bild ist ein Aquarell aus dem Jahre 1838 in Joseph Mallord William Turner, der nicht umsonst als "Meister des Lichts" geschätzt und bewundert wird.

Abbildung: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/97/Joseph_Mallord_William_Turner_-_Flint_Castle.jpg

Essensausgabe in einer Kaffee-Kooperative bei Matagalpa in Nicaragua 1987, Foto: Stefan SchneiderEines war sonnenklar: Ich brauchte dringend einen Tapetenwechsel. Nicaragua, das war ziemlich weit weg, und außerdem war da seit einigen Jahren eine Revolution im Gange, die Unterstützung brauchte. Also meine Unterstützung. Kaffee pflücken in einer Solidaritätsbrigade. Das hieß: Spanisch lernen, mir die Geschichte des Landes und der Sandinisten drauf schaffen, mich in die Zusammenhänge von Kaffeeproduktion und Welthandel hineinzudenken, ein Visum zu beschaffen und weitere Reisevorbereitungen  zu treffen. Vor allem aber musste Geld her: Für den Flug hin und zurück über Havanna, und auch Geld zum Leben vor Ort. Was also lag näher als mich nach einem Job umzusehen?

Ich war jung und ich brauchte das Geld. Ausgeschrieben war ein Job über 6 Wochen, mit mehr als 12 Mark die Stunde halbwegs gut bezahlt, bei FKF, einer Fleischkonservenfabrik. Ich bekam den Job über eine Zeitarbeitsvermittlung. Das ist heute noch aktuell, siehe hier. Die ganze Sache hatte einen kleinen Haken. Arbeitsbeginn war immer schon um 6 Uhr.  Andererseits war schon um 14:45 Uhr Feierabend. Dann wäre noch Zeit für die Universitätsbibliothek, ich hatte noch eine Hausarbeit zu erledigen. So der Plan. Der ganze Job brachte zwei Probleme mit sich. Zum einen die Arbeit selbst. Ich hatte den ganzen Tag Konservendosen zu stapeln. Sie kamen noch lauwarm von der Verarbeitung und mussten auf das Laufband der Etikettiermaschine gestellt werden. Unablässig. Die Zeit wollte nicht rumgehen und die einzige Chance, sich davor zu drücken, war die Raucherpause. Ich glaube, ich habe noch nie so viel geraucht wie in diesen 6 Wochen. Das andere Problem war der Arbeitsanfang. Dieser lag mitten in meiner üblichen Hauptschlafenszeit.

Um den Arbeitsbeginn um 6 Uhr überhaupt schaffen zu können, musste ich mir am Abend zuvor alles zurecht legen: Socken, Hose, Schuhe, Hemd, dazu eine bereits vorbereitete Thermoskanne Kaffee und Stullen für den Tag. Wenn der Wecker um 5:23 Uhr schrillte, hatte ich genau 2 Minuten Zeit, um unter Auslassung des Zähneputzens angezogen mit Provianttasche das Haus zu verlassen und das Fahrrad zu besteigen. In Höchstgeschwindigkeit unter Missachtung jeglicher roter Ampeln gelang es mir nahezu immer, gegen 5:57 das Werksgelände zu betreten, die Klamotten in den Spind zu schmeißen, mich in die Arbeitsklamotten zu zwängen und gegen 05:59 die Stechuhr auszulösen. Gotcha! Ich war hellwach und schweißnass, hatte aber nichts weiter zu tun als Konservendosen zu stapeln. Gelegentlich wurde ich gefragt, ob ich auch Samstag arbeiten kommen könne. Die Arbeit begann immerhin erst um 7:00 Uhr, dauerte auch nur bis 12:30 und wurde mit 15 Mark die Stunde auch gut  bezahlt. Mehr Geld für Nicaragua, dachte ich nur und zog das gnadenlos durch.

Poster: Pueblo Heroice EsteliDie drei Monate in Nicaragua waren eine großartige Zeit. Ich verkürzte durch unangepasstes Verhalten die Zeit in der Solidaritätsbrigade auf 4 Wochen und zog danach im Land umher, half einem Deserteur, unerkannt nach Hause zu kommen, trampte durchs Land und besuchte Baumwollfelder, badete im Pazifik, fuhr über den Nicaragua-See und war auf dem Solentiname Archipel und beobachtete Affen, aß 3 mal täglich Langusten auf Corn Island und war Stammgast in der Kneipe von Myers, besuchte die alte Piratensiedlung Bluefields und versoff meine letzten Dollars auf dem Flughafen von Prag beim Warten auf den Anschlussflug nach Berlin. Was für eine Reise.

Auch im Nachhinein betrachtet war das Konservendosenstapeln und die anschließende Reise nach Nicaragua ein sinnvolles Gesamtkunstwerk. Das eine war eine gesellschaftlich notwendige Tätigkeit, eine Arbeit auf Zeit, das andere war eine im weitesten Sinne politische Reise, die mein Verständnis für globale Zusammenhänge schärfte. Zwar würde ich nicht mehr so ohne weiteres einen Arbeitsbeginn um 6:00 Uhr akzeptieren, aber für ein vergleichbares Projekt würde ich jederzeit wieder ein paar Wochen hart malochen.

Norddeich, Sonntag, 13.08.2017

Stefan Schneider

Foto 1: Essensausgabe in einer Kaffeekooperative bei Matagalpa, Nicaragua, Foto: Stefan Schneider
Foto 2: Pueblo Heroico Esteli, Plakat 1987, Nicaragua

Dresden: Kindergarten vor modernem Wohnhaus 1977 - Quelle: WikiCommons, siehe Artikel untenDie Digitalisierung aller Lebensbereiche hat das gesellschaftliche Leben grundlegend verändert, aber vieles ist auch gleich geblieben, was am Beispiel der Casinos und Glücksspiele eindrucksvoll gezeigt werden kann. Für Casinospieler gibt es Onlineportale wie besteslots.de, auf denen Spielfans unzählige Variationen von Roulette, Video Poker, Blackjack, Vegas Slots, Tischspiele, Jackpotspiele und Rubellose, Spielautomaten aller Art, Multiplayer-Pokerräume und weiteres mehr finden können. Und auf der anderen Seite: Das Casino von Euskirchen beispielsweise wurde bereits 1867 gegründet und existiert noch heute in Trägerschaft eines gemeinnützigen Kultur- und Fördervereins und bietet ein abwechslungsreiches Programm. Die einen gehen nach wie vor in ein konventionelles Casino, die anderen sind im Online-Casino unterwegs, weitere nutzen beide Formen und das ist kein Gegensatz.

Aber eigentlich wollte ich meine Geschichte über das Spielen mit der Bemerkung beginnen, dass ich meine ersten Lebensjahre mehr oder weniger in einer Erwachsenenwelt verbracht habe. In dem Haus am Mariendorfer Damm gab es gar keine Kinder in meinem Alter, und mein kleiner Bruder kam erst zur Welt, als ich bereits fünf Jahre alt war und mit dem Säugling war ja die erste Zeit nicht viel anzufangen. Und die anderen Kinder später im Kindergarten merkten recht schnell, dass ich von den vielen anderen Kindern ziemlich überfordert war. Ich wusste ja im Grunde gar nicht, wie Spielen mit anderen Kindern überhaupt funktioniert.

Mein Lieblingsspiel bestand dann auch folgerichtig darin, dass ich im Kindergarten den Sand vom einen Buddelkasten in den anderen schippte. Zufälligerweise gab es zwei Buddelkästen, und mein Ziel bestand darin, dass der eine Buddelkasten ganz voll und der andere ganz leer werden sollte. Ein Spiel, dass ich nur mit mir alleine spielte. Jeden Tag, wo wir draussen spielen durften, konnte ich ein kleines Stück daran arbeiten. Nach einigen Wochen war der Effekt kaum noch zu übersehen. Ob ich noch in diesem Sommer das Projekt würde vollenden können? Bis zur Oberkante der Begrenzung wollte ich den Sand aufhäufen. Doch das entging auch der Aufmerksamkeit der Kindergartentanten nicht. „Stefan, was machst Du da?“ rief eines Tages eine Erzieherin. „Lass doch den Sand da im Buddelkasten. Der ist schon ganz leer!“ Fortan stand ich unter Dauerbeobachtung und das Projekt Voller Buddelkasten war mehr oder weniger gestorben. Aber immerhin war noch Jahre später der unterschiedliche Füllstand der Buddelkästen für Eingeweihte deutlich erkennbar.

Als Schüler hatte ich eine Lego-Eisenbahn, die beständig größer wurde. Insbesondere für die Ferientage dachte ich mir Fahrpläne aus, die der Zug fahren sollte. Das war aber gar nicht so einfach, denn zwischen zwei Zugfahrten musste ich mich irgendwie beschäftigen und dann fiel mir erst wieder Stunden später ein, dass ja etliche Zugfahrten ausgefallen waren, weil ich den Fahrplan komplett vergessen hatte. Dann ärgerte ich mich für einen Moment und nahm mir vor, am nächsten Tag den Fahrplan aber ganz genau einzuhalten.

Beeindruckt hatte mich auch der gebrauchte Flipperautomat in der Wohngemeinschaft von Siggi, Josie und Peter im Mehringdamm 77, in der ich mal für einen Monat wohnte. Die Vorstellung, einen Flipper in der eigenen Wohnung zu haben, war für mich unvorstellbar. Er könne sich sehr gut beim Flippern entspannen, erklärte mir Siggi diese Anschaffung. Ich selber hatte nicht genug Geduld und war schnell frustriert, wenn die Kugel immer wieder im Nichts versank.

Jahre später las ich von einer Studie, dass unter den Politikern überproportional viele Menschen vertreten seien, die früher in ihrer Kindheit – im Vergleich zu anderen Kindern - weniger Spielmöglichkeiten hatten. Zu dem Zeitpunkt, als die Studie veröffentlicht wurde, war ich selbst Kommunalpolitiker. An der These war schon irgendwas dran. Einen politisches Vorhaben zu formulieren und dann zu versuchen, dafür Mehrheiten zu finden, das war schon eine sportliche Herausforderung. Aber das ist ein anderes Thema.

Insgesamt glaube ich, dass die Welt eine bessere sein würde, wenn wir alles nicht immer so ernst nehmen und statt dessen mehr spielen würden. Dazu ein anderes Mal mehr.

Berlin, 30.05.2017

Stefan Schneider

Abbildung: Dresden, Städtischer Kindergarten um 1970.
Quelle: WikiCommons/ Deutsche Fotothek: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/48/Fotothek_df_ps_0003045_Kinder_%5E_Kinderdarstellungen_%5E_im_Kindergarten_%5E_Wohnh%C3%A4us.jpgFotograf: Richard Peter (1895-1977)

Lange Zeit habe ich mich gefragt: Wie macht er das nur? Durch einen Zufall bekam es heraus. Er trägt Inkontinenz Unterhosen. Und das ist die Geschichte:

Joshua Slocum (1844 - 1909), Erster Einhandweltumsegler auf der Webseite der Slocum Spray Society of Australia Inc. Fritz (aus Gründen der Diskretion habe ich den Namen geändert) ist ein echtes Vorbild. Der Mann ist schon über achtzig und seit bestimmt fünfzig Jahren Mitglied im Segelverein. Den Jollenkreuzer, den er immer noch segelt, hat er sich damals selbst gebaut. In den Sommermonaten kommt er Tag für Tag in den Verein, steigt auf sein Boot, entfernt die Plane, schlägt die Segel an, wirft die Leinen los, schiebt das Boot aus der Box und hisst die Segel. Gelegentlich mit Begleitung, aber meistens alleine. Dann ist er für ein paar Stunden unterwegs, fast immer die gleiche Strecke. So, als müsse er persönlich kontrollieren, ob alles noch so ist wie am Vortag. Ganz im Sinne von Otto Niemeyer-Holstein, der einmal sagte: Das Meer ist jeden Tag anders. Und das gilt sicher auch für Binnenreviere. Fritz liebt das Segeln über alles, den Kontakt mit den Elementen und der Natur, und insgeheim wünsche ich mir, dass ich selbst im Alter noch so agil bin wie Fritz. Wahrscheinlich ist er genau deshalb noch so jung geblieben, weil er noch jeden Tag segeln geht, auch wenn ihm bisweilen anzusehen ist, dass es ihm schwer fällt.

Auf kleinen Booten ist das Urinieren ein Problem. Die Boote sind sehr agil und es ist immer sinnvoll, eine Hand am Steuer zu haben. Dann gleichzeitig noch an die Hose zu öffnen, den Eimer zu greifen und alles halbwegs in Balance zu halten, ist schon unter normalen Bedingungen nicht einfach. Eine Strategie besteht darin, möglichst wenig zu trinken, aber das ist aus sportlichen Gründen nicht ratsam. Der Körper dehydriert, Kopfschmerzen und Übelkeit wären die Folgen. Durch Zufall begegnete ich eines Tages Fritz im Toilettenraum des Segelvereins. Er wähnte sich alleine und war damit beschäftigt, seine Sporthose anzuziehen. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte ich sehen, dass er darunter eine Einlage trug. Das also war der Trick. Er trug eine Inkontinenz Unterhose.

Sich vor Angst in die Hose machen – das ist so eine Redewendung, die alle kennen. Angst zu haben, das ist nicht schön, gehört aber zum Leben dazu. Und wie verhält es sich mit der Inkontinenz? Wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie einnässt? Das Schlimme ist, dass allein schon der Gedanke an Inkontinenz Angst macht. Einige ältere Menschen aus meinem Bekanntenkreis vermeiden es, für längere Zeit das Haus zu verlassen und schränken so ihren Aktionsradius ein. Mit Sorge beobachte ich diese Entwicklung. Für mich persönlich habe ich den Anspruch, auch noch im hohen Alter mobil zu sein. Dank Fritz habe ich jetzt eine Vorstellung davon, wie ich das schaffen kann. Mit Inkontinenz Unterhosen.

Berlin, 11.04.2017
Stefan Schneider

[Abbildung]: Joshua Slocum (1844 - 1909), Erster Einhandweltumsegler auf der Webseite der Slocum Spray Society of Australia Inc.
http://www.slocumspraysociety.asn.au/slocum.jpg

Vielleicht sollte die Geschichte mit der Mitteilung beginnen, dass ich kein besonders gutes Gedächtnis habe. Das gilt im Guten wie im Bösen. Ich vergesse viele Dinge einfach nach einer bestimmten Zeit. Das ist wahrscheinlich eine Art Selbstschutz, denn ich bin doch neugierig, vielseitig interessiert und sauge jeden Tag neue Eindrücke auf und starte immer neue kleinere oder größere Vorhaben. Mein Gehirn würde überlaufen, wenn ich mir alles merken würde. Deswegen muss ich mir Bookmarks setzen. Einer dieser Bookmaks lautet: Erfahrungen mit YourFinance AG. Wie ich dazu komme?

Vodkaflaschen verschiedener Hersteller - Quelle: WikiCommons, Autor: Сергей НемановMit den Schulden und dem Schulden machen ist es wohl so wie damals in der Wohngemeinschaft in der Hauptstraße. Ich war zu faul, Bier holen zu gehen, wusste aber, dass bei Bettina im Zimmer noch ein paar Schnapsflaschen stehen. Bettina war nicht da, uns so nippelte ich den Inhalt der Wodka- oder Ginflasche im Verlauf des Abends leer. Natürlich mit dem festen Vorsatz, die Flasche am nächsten Tag zu ersetzen. Ich würde ja ohnehin Einkaufen gehen. Und obendrein, so redete ich  mir ein, könnte ich ja auch gleich noch die erste Hälfte abtrinken, denn halbvoll – oder besser: halbleer - hatte ich die Flasche ja auch vorgefunden. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, warum dieser Vorsatz nie funktionierte. Jedenfalls kam Bettina eines Tages vom Urlaub zurück, bemerkte den Schwund und stellte mich zur Rede. Kleinlaut bekannte ich meine Taten und gelobte Besserung.

Erst Jahre später lernte ich, dieses System umzukehren. Ich kam also bei Freunden und Bekannten vorbei und hatte eine Flasche Wodka unterm Arm, die ich mit der Bemerkung: „Hier, für Dich und falls ich mal zu Besuch komme!“ auch gleich da ließ. Das veränderte die sozialen Beziehungen prinzipiell. Jetzt war der oder die andere in meiner Schuld und wahrscheinlich habe ich im Endeffekt mehr Gastfreundschaft erfahren als meine kleine Investition tatsächlich hergab. Das haben wir dann später zum Prinzip erhoben in einem sozialen Treffpunkt. Statt dass die Leute Mitte des Monats immer rumdrucksten und anschreiben lassen wollten, haben wir angeboten, gleich am Monatsanfang das ganze Geld bei uns zu lassen und dann im Verlauf des Monats zu verkonsumieren. Wir nannten das Guthabenkonto und belohnten ein solches Engagement mit einem Bonus von 10 bis 20 Prozent. So waren alle zufrieden. Die Gäste ebenso wie die Betreiber des Treffpunktes. Es war ja immer Geld da.

Meine Freundin Wilma hat es ähnlich gelöst. Über Jahre hinweg quälten und stressten sie Schulden und die Frage, wie bekomme ich einen Kredit ohne Schufa? Zinsen, Mahngebühren, Verzugszinsen, Zinseszinsen – das wurde ja immer mehr. Eines Tages erhielt sie einen gut dotierten Job, und nach Ablauf der Probezeit ergriff sie die Chance und zahlte alle ihre Gläubiger mit einem Schlag aus und hatte vorher so gut verhandelt, dass ihr ein Teil der Summe erlassen wurde. Die vielen Schulden der früheren Jahre sind weg und verblieben ist nur noch ein Darlehen, das in einem überschaubaren Zeitraum zurück gezahlt werden kann. Aus einem Stressprojekt wurden eine Erfolgsgeschichte. Es sind zwar immer noch Verbindlichkeiten, aber selbstbestimmte Verbindlichkeiten. Und damals gab es YourFinance AG noch gar nicht.

Ich kann gar nicht sagen, welche Strategie im Einzelnen YourFinance AG empfehlen würde und wahrscheinlich gibt es auch keinen Masterplan, um seine Schulden loszuwerden. Aber entscheidend ist, dass es möglich ist, der Schuldenfalle zu entkommen. Ich beispielsweise habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Leute, die ich beauftrage, sehr zeitnah und durchaus großzügig zu bezahlen, teilweise schon mit Abschlägen im voraus. Dafür bekomme ich eine sehr engagierte, sorgfältige Arbeit von motivierten, gut gelaunten Menschen. Eine Win-Win-Situation für alle und eine Art gegenseitige Versicherung gegen Schulden.

Berlin, 03.04.2017
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vodka_museum.jpg:Vodka_museum.jpg
Vodkaflaschen verschiedener Hersteller - Quelle: WikiCommons, Autor: Сергей Неманов

1. Öffentliche Bücherbox

Öffentliche Bücherbox in Wuppertal, Friedrich Ebert Str. - Quelle: WikiCommons, Einzelheiten siehe Artikelende

„Ein öffentlicher Bücher­schrank (auch offener Bücherschrank, (Aus)tauschbi­bliothek, (Aus)tausch-bücherei, Straßenbibliothek, Straßenbücherei oder Bücherbox genannt) ist ein Schrank zur Aufbewah-rung von Büchern, der genutzt wird, um kostenlos, anonym und ohne jegliche Forma­litäten Bücher zum Tausch oder zur Mitnahme aufzubewahren und anzubieten. Im öffentlichen Raum existieren spezielle, stabile Konstruktionen, die jedermann zugänglich sind.“
aus: Wikipedia – Artikel Öffentlicher Bücherschrank

Regeln (zum Beispiel)

Bücher machen Freude, Bücher sind Freunde. Dies ist der Blankenburger Bücherschrank !   

Damit alle Blankenburger*innen lange Freude daran haben, gibt es ein paar Regeln:

  • Du kannst den Schrank zu jeder Zeit nutzen.
  • Du kannst Dir ein Buch aussuchen.
  • Du kannst es leihen und zurückbringen.
  • Du kannst es behalten und stellst dann ein anderes, gleichwertiges Buch von Dir in den Schrank.
  • Wenn es Dir so gut gefällt, dass Du es ein bisschen länger behalten möchtest, darfst Du das auch. Aber denke daran, wenn es wirklich so gut ist, sollte es auch ein anderer lesen.
  • Wenn Du zu Hause ganz viele Bücher hast, die Du bringen möchtest, dann bitte nur so viele, wie in den Schrank hineinpassen.
  • Wenn etwas kaputt ist, melde Dich bitte bei xxx xxx

2. BzBm Sören Benn, am 16.01.2017

„Lieber Stefan, folgendes Vorgehen empfiehlt das Amt:
Der Antragsteller wendet sich an das SGA, weil dort die Zuständigkeit für das Thema "Genehmigung von Sondernutzungen" liegt. Wenn das SGA aufgrund der Größe des Bücherschranks (Größe: nur Regal oder Schrankwand oder Garage?) eine Betroffenheit der Bauaufsicht sieht, wird diese im Verfahren beteiligt. Da der Aufstellplatz wahrscheinlich am Dorfanger Blankenburg sein soll, wäre auch die Untere Denkmalschutzbehörde zu beteiligen. Dafür macht es Sinn, dass der Antragsteller sich parallel zur Sondernutzungsgenehmigung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in meinem Amt bzgl. eines geeigneten Aufstellortes abstimmt.
Ich hoffe, du kannst mit den Informationen was anfangen. (...)

3. Begehung 22.01.2017 Simone, Stefan, Sybill

Mögliche/vorstellbare Standorte: Dorfanger, Krugstege gegenüber Kirche oder Bahnhofstraße

4. Untere Denkmalbehörde 16.02.2017

Notiz Stefan Schneider: „Mit Frau Kuhn von der UD hatten wir inzwischen telefonisch Kontakt. Sie könnte sich als möglichen Standort am ehesten den Platz gegenüber dem Haupteingang der Kirche vorstellen…“

5. Strassen- und Grünflächenamt 17.02.2017

„Sehr geehrte Frau Janetz,

Ihr Anliegen zur Aufstellung eines Bücherschrankes wurde mir übergeben.
Zur Bearbeitung des Vorganges benötige ich Folgende Unterlagen: Lageplan mit eingezeichneten Standort, Baubeschreibung des Bücherschrankes.
Weiterhin teile ich Ihnen vorab mit, dass während der gesamten Aufstellungszeit des Bücherschrankes ausschließlich Ihnen die Verkehrssicherungspflicht obliegt.
Weiterhin wird für die Erteilung der Sondernutzung eine Verwaltungsgebühr und für den Zeitraum der Aufstellung eine Sondernutzungsgebühr i.H.v. 15,00 € m²/Monat fällig. Auch ist eine Sicherheitsleistung zu hinterlegen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Gleuer
BA Pankow von Berlin
Abt. Stadtentwicklung
Straßen- und Grünflächenamt
Tel. 030/90295 8561
Fax 030/90295 8644

6. Nachtrag von SGA Frau Gleuer

„von einer Verwaltungsgebühr i.H.v. 56,24 € kann abgesehen werden, wenn der Sondernutzer gemeinnützig anerkannt ist und sich die Sondernutzung mit der  im Freistellungsbescheid des Finanzamtes festgestellten Förderung übereinstimmt.  Eine Sondernutzungsgebühr wird erhoben, wenn ein kommerziellen Charakter zu erkennen ist. Eine Sicherheitsleistung wird aber in jedem Fall fällig. Diese kann erst nach Sichtung der Baubeschreibung und Festlegung des Standortes bemessen werden.“

7. weitere Schritte …

  • Diskussion im Runden Tisch Blankenburg, ob das Vorhaben prinzipiell Zustimmung findet, falls ja:
  • Gemeinsame Festlegung des favorisierten Standortes
  • Suche nach gemeinnütziger Körperschaft, die die formalen Zuständigkeit für die Antragstellung übernimmt
  • Patenschaftskreis aufbauen (mit Kontakt zur gemeinnütziger Körperschaft sowie Runden Tisch Blankenburg)
  • Entscheidung über die Ausführung der Box (z.B. Fertigprodukt der Fa. Bokx www.bokx.de oder Selbstbau, z.B. Projekt von Lehrwerkstätten), Kostenkalkulation
  • Ausarbeitung und Start einer Kommunikations- und Spendenkampagne, z.B. Einzelsponsoren, Stiftungen oder Spendenkampagnen auf Betterplace usw …., Berichterstattung in Zeitungen usw.
  • Bei Erreichen von 75% der geplanten Kosten: Antragstellung bei den Behörden; Auftrag an Hersteller
  • ….

Berlin – Blankenburg 05.03.2017
Stefan / Sybill

Abbildung: WikiCommons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wuppertal_Friedrich-Ebert-Str_0309.JPG:Wuppertal_Friedrich-Ebert-Str_0309.JPG
Fotografie von Atamari

sick-man-slowly-becoming-enthroned-used-tissues[Andienen] Der Bus zum Flughafen hatte schon die Vororte Istanbuls erreicht, da sah ich an einer wenig befahrenen Kreuzung einen älteren Mann in abgetragener, aber noch nicht schäbig wirkender Kleidung mit ein paar Päckchen Papiertaschentüchern in der Hand den Autos hinterherlaufen, die wegen der Kreuzung ihre Fahrt verminderten. Der Bus hielt an einer Haltestelle und so hatte ich ein wenig Zeit, ihn zu beobachten. Sein Haar und sein Bart färbten sich schon weiß und er hinkte etwas. Niemand hielt an, niemand kurbelte auch nur die Fensterscheibe herunter. Die ganze Szene hatte etwas bedrückendes und auch etwas lächerliches. Glaubte der Mann wirklich, mit ein paar Papiertaschentüchern seinen Lebensunterhalt verdienen zu können? Wer oder was zwang ihn, dieser Aufgabe nachzugehen? Oder meinte er, sein erkennbares Gebrechen für sein Geschäft nutzen zu können? Außer dem, was ich sehen konnte, wusste ich nichts weiter von dem Mann. Hatte er sein Leben lang gearbeitet und war nun durch einen Unfall in diese Lage geraten? Oder hat er sein ganzes Leben lang hier und da und dort irgendwelche Gelegenheiten genutzt, um über die Runden zu kommen? War er möglicherweise ein grober Schuft, mit dem keiner mehr etwas zu tun haben wollte. Oder hatte der Mann schlichtweg Langeweile und ihm fiel nichts anderes ein. Wie auch immer – was ich sah, empfand ich als würdelos. Papiertaschentücher gibt es in jedem Kramladen – das muss niemand an stinkenden Kreuzungen einer Metropole anderen Menschen andienen müssen.

[Ausrechnen] Was alles unter dem Stichwort Marketing getan wird, um Produkte an den Mann zu bringen, ist mehr als lächerlich, es ist bisweilen grotesk und pervers. Aufwändige Werbekampagnen, die suggerieren, der Kauf von x oder y eröffne bisher ungeahnte Freiheit, coolness, steigere den Sex-Appeal und was auch immer. Märchen aus tausendundeiner Nacht. Das gegenwärtige, weltweit verbreitete Wirtschaftssystem beruht auf Egoismus, Konkurrenz und Übervorteilung. The winner takes it all und der andere darf sehen, wo er bleibt. Ganz nebenbei wird auch noch der Planet Erde ausgeplündert: Die rücksichtslose Ausbeutung, Vernichtung und Zerstörung der vorhandenen Ressourcen, Umweltverschmutzung, Tierquälerei und Artensterben, der schleichende Klimawandel, all das taucht in keiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation auf. Würde all das in einer Bilanz mit eingerechnet werden, wäre das Ergebnis in den allermeisten Fällen negativ. Es würde sich nicht rechnen, PKWs zu bauen. Eine ehrliche Marketing-Analyse etwa im Bereich des Personennahverkehrs würde den Ausbau einer öffentlichen Infrastruktur empfehlen und bewerben.

[Abstimmen] Sind Marketing-Kampagnen deshalb von vornherein schlecht? Nein, denn auch in einer Wirtschaftsform, die sich auf die Bedürfnisse der Menschen bezieht und die dafür erforderlichen Produkte, Produktionsmittel und Infrastrukturen gemeinschaftlich erarbeitet, gibt es Verbesserungen, Innovationen, Alternativen und neue Erfindungen und sicherlich auch neue Bedürfnisse. Und auch hier wird es erforderlich sein, dass sich einzelne oder Gruppen zu Wort melden mit dem, was sie beitragen können. Überhaupt ist die Idee des Beitragens der Grundpfeiler eines neuen, gemeinschaftlichen Wirtschaftens. Nicht mehr das Produkt steht im Mittelpunkt, sondern die Debatte darüber, was wir brauchen und wie wir es herstellen. Neue Vorschläge können dann ganz einfach online vorgestellt und zur Abstimmung gebracht werden. Wie ein solches Wirtschaften ohne Geld und ohne Ausbeutung funktionieren kann, legt beispielsweise Stefan Meretz in seinem Vortrag Von der Wertkritik zum Commonismus dar, den er auf seiner Plattform Keimform als Video zum Nachhören und Nachsehen veröffentlicht hat.

[Beitragen] Noch können sich nicht sehr viele Leute vorstellen, dass eine Wirtschaft, ja ein Leben ohne Geld funktionieren würde. Es fehlt an Phantasie, einfach in einen Laden hineinzugehen und sich dort die Lebensmittel oder die Kleidung oder die Werkzeuge herauszuholen, die mensch braucht. Sie glauben, es würde alles zusammen brechen. Dabei wird nur die Anhäufung von Geld und Reichtum und die damit verbundene Ausübung von Herrschaft unterbunden. An die Stelle von Geld würde eine produktive Auseinandersetzung darüber treten, was wir wirklich brauchen und wie wir es herstellen. Die dann regelmäßig auftauchende Frage ist: Und wer würde dann noch arbeiten? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Wir. An Arbeiten mitzuwirken ist ein menschliches Bedürfnis, so wie Feiern, Spielen oder neue Dinge zu entdecken. Überhaupt sind Menschen soziale Wesen, die gerne Dinge gemeinsam machen, die aufeinander achten, die sich umeinander kümmern und sehr rücksichtsvoll und aufmerksam sind. Es ist höchste Zeit, sich wieder auf diese Kompetenzen zu besinnen. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 29.12.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] Sick Man Slowly Becoming Enthroned In Used Tissues, Quelle: http://i.onionstatic.com/onion/5184/2/original/1200.jpg;Webseite: https://local.theonion.com/sick-man-slowly-becoming-enthroned-in-used-tissues-1819592410

Algorhythmus als Apfelkuchenrezept - siehe Text unten[Herausforderung] Wer heute eine Internet-Seite betreibt, möchte auch, dass sie wahrgenommen wird. Wahrnehmung, das bedeutet heutzutage zu 99%, dass diese Seite bei einer Google-Suche erscheint oder erscheinen soll, und zwar möglichst weit oben. Relevanz, das ist das Stichwort, und die wird nicht mehr nur alleine durch einen überzeugenden Inhalt hergestellt. Die damit verbundene Herausforderung wird mit dem Begriff Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO bezeichnet. Das ist inzwischen eine Wissenschaft für sich. Sind im Text die passenden Keywords enthalten? Gibt es hochwertige Verknüpfungen, die auf die Seite verweisen? Liegt eine Meta-Beschreibung vor? Ist die Webseite barrierefrei gestaltet? Das sind nur einige der Fragen, die es zu beachten gilt. Wer also seine Seite bekannt machen möchte, ist gut beraten, sich von Expert*innen unterstützen zu lassen.

[Anfänge] Ich weiß es noch wie heute. Wir waren bei Thomas Lohmeier von Warenform in der Gormannstraße wegen dem Lay-Out unserer Zeitung, er saß vor dem Computer und recherchierte irgendetwas im Internet. Und ganz nebenbei erwähnte er: „Übrigens wenn Du was suchen willst im Internet, hier guh-gel ist eine ganz brauchbare Seite!“ Guh-gel. Ich musste erstmal nachfragen, wie das überhaupt geschrieben wird. Abends am Rechner dann, wo ich mich noch ganz analog per Modem mit dem Internet verbinden musste, probierte ich das dann aus und seit dem nutze ich nichts anderes. Ich habe schon ganz vergessen, wie wir früher, vor Google, im Internet gesucht haben. Wir haben uns von Seite zu Seite gehangelt, es gab auch Bücher mit irgendwelchen Listen von Internet-Seiten oder überhaupt Listen lesenswerter Seiten, die nach Rubriken sortiert waren. So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Zwar gab es schon vor Google Suchmaschinen, aber keine von denen schlug so sein wie Google. Wie machten die das nur, dass mensch den Eindruck hatte, dass die Ergebnisse wirklich wichtig sind? Das ist bis heute im Grunde ein Geheimnis geblieben. Wenige Tage später war es dann soweit: Ich googelte mich selbst – der Anfang jeder Überlegung zur persönlichen Suchmaschinenoptimierung.

[Ausblick] Es wäre an der Zeit, diese Technologie zu vergesellschaften, also dem Zugriff eines einzelnen privaten Konzern zu entreißen und als transparente open-source-Software der Weltgemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Am Besten mit individuell einstellbaren Suchoptionen und Prioritäten. Denn die Daten von Google tragen im Moment auch dazu bei, dass wir immer besser überwacht und im Grunde auch kontrolliert werden. Was wir suchen, wann wir es suchen, wo wir gerade sind, wie und womit wir uns bewegen. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 28.12.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] https://i.ytimg.com/vi/DTH4t9K-BmY/maxresdefault.jpg aus dem Video Grundlagen Informatik - Algorithmus bei youtube

Berliner Varietebühne Wintergarten 1940, Foto von Friedrich Mäschke, Quelle: WikiCommonsGelingende Bildungsprozesse sind eine Kombination aus Neugier, guter Ausbildung und Praxis. Eine gute Übersicht über die Vielfalt der Angebote zur Weiterbildung bietet  das Portal für Weiterbildung und Umschulung. Warum permanente Weiterbildung so wichtig ist, möchte ich an einem ganz persönlichen Beispiel erläutern.
[Ambitionen] Bereits als Jugendlicher engagierte ich mich im Jugendclub meiner Kirchengemeinde. Wir trafen uns dort jeden Freitag, und es gab immer ein Programmangebot. Dazu gehörte – in Abständen von etwa 6 - 8 Wochen – auch die Aufführung von Spielfilmen. Die Kinobranche war gerade im Niedergang, da sich das Fernsehen inzwischen in fast jedes Wohnzimmer verbreitet hatte, und Video und Beamer gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber es gab in Duisburg einen Verleih für 16mm Filme, den wir nutzen konnten. Extra für diese Aufgabe wurde ein Filmreferent bestimmt. Als der keine Lust mehr hatte und aufhören wollte, meldete ich mich freiwillig. Erstens, weil die Aufgabe offensichtlich Spaß machte, zweitens, weil die Filme, die ich zu sehen bekam, sehr interessant waren und drittens, weil der Filmreferent bei der Programmplanung die Finger mit im Spiel hatte. Aber so einfach war es nicht. Um überhaupt die 16mm-Projektoren ausleihen zu dürfen – das Zentralbüro der Katholischen Jugendarbeit in Berlin verfügte über drei solcher Projektoren – musste ich erstmal einen Vorführschein bei der Landesbildstelle absolvieren. Da wurde uns die Technik erklärt und wir mussten unter anderem das Einfädeln des Filmes üben, das Wechseln der Projektorlampe – falls die mal ausfällt – und was zu tun ist, wenn der Film mal reißt. Das waren immerhin 4 oder 6 Schulungsstunden, die zu absolvieren waren.
[Premiere] Mit dem Schein in der Tasche und endlich zum Filmreferenten des Jugendclubs ernannt, wollte ich im Herbst des Jahres 1981 stolz meinen ersten Film zeigen. Alles war perfekt vorbereitet: Die Werbung Wochen vorher, die Kasse für den Eintritt, die Leinwand, die Bestuhlung, auch die Filmrollen waren da. Eine Viertelstunde vor dem geplanten Beginn – und es waren schon bestimmt 30 Leute da – fiel mir siedendheiß ein, dass etwas sehr Wichtiges fehlte. Ich raunzte meinen Freund Sam an: „Wo ist der Projektor?“ „Wieso?“, sagte er, „Ich dachte, Du hast ihn bestellt?“ Das Hin- und Her nutzte nichts, jedenfalls war kein Projektor da und ich fühlte mich ziemlich mies. Mir war heiß und kalt zugleich. Ich hatte eine wichtige Aufgabe übernommen und stand nun als kompletter Versager da. Gab es da noch eine Rettung oder hatte ich für immer verschissen? Zum Glück hatte Sam ein Auto und wir rasten zur Evangelischen Nachbargemeinde, die auch einen Projektor haben sollte. Nach vielem Klingeln und hin und her laufen fanden wir dann einen Mitarbeiter, der uns den Projektor in die Hand drückte und mit einer Verspätung von einer Dreiviertelstunde konnte der Film endlich beginnen. Rettung in letzter Minute.
[Spaß] Nach einigen Monaten hatten wir den Bogen raus. Natürlich konnten wir Filmvorführtermine langfristig festlegen, die Projektoren weit im voraus bestellen und wir wußten, dass auch die Filmrollen ein paar Tage vorher geliefert wurden. Also machten wir regelmässig im Wohnzimmer unserer WG einen Tag vor dem offiziellen Kinotag im Jugendclub unsere Privatvoraufführung. Wir kochten was, besorgten Bier und andere Getränke, spannten ein großes Laken vor das Fenster, langsam trudelten unsere Freunde ein und und wenn es dann dunkel wurde, wurde der Projektor angeworfen. Eine riesige Gaudi. Und am Tag darauf, bei der eigentlichen Vorführung, konnten wir dann hinten im Saal mit den Mädchen knutschen – weil den Film, den kannten wir ja schon. Das ging so einige Jahre, bis ich merkte, dass es Zeit war, den Job des Filmreferenten in andere Hände zu geben.
Wenn ich heute auf die Unterrichtsstunden für den Filmvorführschein zurück blicke, möchte ich sagen: Der Aufwand hat sich allemal gelohnt, trotz der Beinahe-Katastrophe am ersten Filmabend. Aber das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Berlin, 20.09.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] Berliner Varietebühne Wintergarten 1940, Foto von Friedrich Mäschke, Quelle: WikiCommons, URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e9/Bundesarchiv_Bild_146-1988-035-15,_Berlin,_Wintergarten.jpg

 Israeli forensic policeman inspects a burglary scene - Quelle: Wiki Commons, Details am Ende des Artikels[Sicherheit] Es gibt Menschen, die machen sich Sorgen um das, was sie ihr Eigentum nennen und sichern es deswegen ab. Mit Türen, Zäunen, Mauern, Schlössern, Alarmanlagen. Gerade Alarmanlagen haben den Nachteil, dass sie häufig Fehlalarme produzieren. Und das ist sehr ärgerlich, vor allem dann, wenn man selber gerade gar nicht zu Hause ist und das abstellen kann. Dann leiden meistens die Nachbarn. Eine neue, innovative Technik, die auf Infraschallerkennung beruht, hat die Firma safe4u entwickelt. Dieses System der Infraschall Alarmanlagen beruht darauf, daß Einbrecher sich in der Regel mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen.

[Zugang] Ein einziges Mal in meinem Leben musste ich einen Einbruch verüben, damals in meiner Studienzeit. Es musste einfach sein. Seit Tagen suchten wir verzweifelt unsere Katze und hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Wir sahen keine Chance mehr. Die Hauptstraße, an der wir wohnten, war zu verkehrsreich und es gab überall Höfe, Einfahrten und Hinterhöfe. Unsere Katze war entweder ganz woanders und wir würden sie nie wieder sehen oder sie war – überfahren. Dann kam der Nachbar aus dem dritten Stock und sagte, er hätte sie gesehen. Gegenüber bei Oma Heinzel. Flugs waren wir oben und beobachteten gemeinsam. Zuerst erfolglos. Dann, am nächsten Vormittag, sahen wir tatsächlich eine Katze am Fenster. Kein Zweifel, das war Tiger. Nein nein, sie hätte gar keine Katze, beteuerte sie. Wie gesagt, Oma Heinzel war schon etwas verwirrt. Und sehr schwerhörig. Ob wir hereinkommen könnten, fragten wir. Das ginge auf gar keinen Fall. Mißtrauisch war sie auch noch, die alte Dame. Drei Stunden später, Oma Heinzel war gerade einkaufen, verschafften wir uns durch einen entschlossenen Tritt Zugang zu der Wohnung. Es gab vor einem halben Jahr mal einen Alarm, und die Feuerwehr hatte ganze Arbeit geleistet. Seitdem war der unter Einsatz der großen Flügeltür zur Wohnung nur durch ein halbherzig davorgenageltes dünnes Brett ersetzt. Wir konnten unsere sichtlich dicker gewordene Katze nach einer Woche aus der Obhut von Oma Heinzel befreien.  

[Nachbarschaft] Mit einer Infraschall Alarmanlage von safe4u wäre uns dieser Einbruch nicht gelungen. Spätestens bei unserem Tritt gegen das Brett, mit der die Tür notdürftig repariert war, wäre die Alarmanlage losgegangen. Oma Heinzel irrte übrigens am selben Tag noch ganz aufgeregt durch das Treppenhaus. Bei ihr sei eingebrochen worden. Als Nachbarn boten wir ihr selbstverständlich unsere Hilfe an und durchsuchten mit ihr gemeinsam ihre viel zu große Wohnung, allerdings ganz ohne Erfolg. Wir redeten beruhigend auf sie ein und versprachen, ganz genau aufzupassen. Auch ihre Katze sei verschwunden. Eine Katze? Von einer Katze wussten wir nichts. Ein Katze hatten wir noch nie bei ihr gesehen. Nebenbei räumten wir die gefühlt fünfundzwanzig geöffneten Katzenfutterdosen, um die bereits Fliegen kreisten, diskret zur Seite und entsorgten sie im Hof. Tatsächlich hatte Oma Heinzel bereits am nächsten Tag diese ganze Gesichte vergessen und wir halfen ihr noch das eine oder andere Mal dabei, die schweren Einkaufstüten hochzutragen.

Berlin, 11.09.2016

Stefan Schneider

[Abbildung] Israeli forensic policeman inspects a burglary scene
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:BurglaryIsrael1.jpgFoto: Etan J. Tal

Berlin - Schlafsaal im Obdachlosenasyl - Quelle: WikiCommonsGuten Tag,
es ist mir völlig unverständlich, dass die Grüne Fraktion Pankow in der BVV Pankow einen Antrag Drucksache VII - 1169, auf der BVV-Sitzung am 01.06.2016 einbringt, in dem sie sich dafür ausspricht, eine Massennotunterkunft in Pankow errichten zu wollen.
Ich habe 10 Jahre in der BündnisGrünen Fraktion ua als Sprecher für Sozialpolitik mitgearbeitet und versucht, deutlich zu machen, dass es auf kleinteilige, den unterschiedlichen Lebensumständen entsprechende Lösungen ankommt, die über dies in der Lage sein sollten, einen Anschluss an weitere Hilfeangebote zu gewährleisten.
Eine Massennotunterkunft ist - das zeigen leidvolle Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart - eher dazu geeignet, bestehende Problemlagen noch zu verschärfen und zu eskalieren (Stichwort Hygiene, Stichwort Gewalt, Stichwort Unruhe) - auch wenn aus Sicht der Sozialwirtschaft große zentrale Einrichtungen sicher wirtschaftlicher zu betreiben, einfacher zu bewerben und besser zu vermarkten sind.
Ich arbeite gerade in Freistatt an einer Kampagne zur Teilhabe Wohnungsloser, und gerade gestern erst habe ich Gespräche mit Wohnungslosen geführt zur Frage, welche Themen zu bearbeiten sind, und mit eines der ersten Stichworte neben Ausgrenzung war das Thema der viel zu großen Notübernachtungen.
Es kann sein, dass meine Wahrnehmung durch den mehrjährigen Abstand zur Kommunalpolitik etwas getrübt ist, aber vom fachlichen Standpunkt her dürfte sich an der grundsätzlichen Problematik von Massennotübernachtungen in zwangsgemeinschaftlicher Unterbringung kein neuer Aspekt ergeben haben, der einen solchen Irrsinn als zielführend erscheinen lässt.
Ich möchte der Grünen Fraktion raten, diesen Antrag noch einmal gründlich zu überdenken und stehe gerne - sofern mir das die Zeit erlaubt - für eine fachliche Beratung zur Verfügung.

Freistatt, 01.06.2016

Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_102-10839,_Berlin,_Schlafsaal_im_Obdachlosen-Asyl.jpg

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