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wir sind viele ! -
träume schlafloser nächte.

R.

1600 km distanz oder mehr
- was macht das schon -
und ein platz in meinem herzen (trivial)
fest versponnen, gewichtig, wert, geliebt
politisch ausgedeutet
- Beziehung.

hoffnung und Selbstverständlichkeit
unausgesprochen und solidarisch
circulus nebulosus und Ring der Kraft.

das schwarze gold in der erde
dessen blüte - the impossible dream - vielleicht verwelkt als
das liebeslied vom liliputaner, der wächst, der größer wird
herbst war
hat noch einen
fruchtbaren winter
bis der pflüg
es einfordert.

für conni
1984


Stefan Schneider 1984


Editorische Notiz:

In Conny war mich mal verliebt. Sie war groß, klar, politisch, schön. Wir waren zusammen auf einem Kirchentag. Auf der Rückfahrt in Sams blauen Opel Record oder nahmen wir sie mit, Conny und ihre beste Freundin Jutta K. Dann auf einer Raststätte kurz vor Berlin, ich glaube, es war Ziesar, fasste ich mir buchstäblich in  letzter Minute ein Herz und sprach sie an: Ob wir uns mal treffen könnten. Die Antwort war kurz, knapp und vernichtend: Sie würde in 4 Wochen für 1 Jahr nach Chile gehen. Und ich hatte mir erträumt, Chancen bei ihr zu haben.
Jahre später habe ich sie besucht in Chile. Ich denke, sie hatte damals schon Kinder mit Raul, den sie dort kennen gelernt hat. Weitere Jahre später hörte ich, dass Conny mit Raul und ihren Kindern nach Berlin zurückgekehrt sei. Weil es für sie in Chile, in der Nähe von Santiago, keine vernünftige wirtschaftliche Basis mehr gab. Den Kontakt zu Conny habe ich verloren. Ich erinnere im Moment noch nicht einmal ihren Nachnamen. Sam ist vor einigen Jahren verstorben. Mit Jutta K. habe ich ein paar Jahre zusammen in der Hauptstraße gewohnt. Unser Verhältnis wurde im Verlauf der Jahre schlechter und schlechter. Warum das so war, weiß ich eigentlich gar nicht. Ich glaube, es lag überwiegend an mir. Wir haben so blöde Dinge gemacht wie uns gegenseitig unweggeräumtes Geschirr vor die Tür gestellt. Wenn ich heute daran denke, tut es mir sehr leid, dass wir keinen Weg gefunden haben, miteinander auszukommen. Es tut mir auch leid, dass ich Jutta so schlecht behandelt habe. Obwohl ich sie - glaube ich - irgendwie spiessig fand - hat sie das nicht verdient.
Wirklich nicht.

Stefan im Zug von Warschau nach Berlin, 01.01.2012