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Stefan Schneider

Forschung zu Lebenslage und biographischer Entwicklung Wohnungsloser

- ein Beitrag zur Qualifizierung und konzeptionellen Entwicklung ambulanter sozialer Arbeit mit Wohnungslosen in Berlin (West)

Antrag auf Förderung am Institut für Allgemeine Pädagogik der HdK Berlin - Bundesallee 1-12 - 1000 Berlin 15
Leitung: Prof. Dr. Georg Rückriem
Mitarbeiter: Dipl. Päd. Stefan Schneider

Berlin, 1990


1. ZUSAMMENFASSUNG
2. KURZBESCHREIBUNG DES FORSCHUNGSGEGENSTANDS
3. GEGENWÄRTIGER WISSENSCHAFTLICHER KENNTNISSTAND
4. ZIELSETZUNG
5. ARBEITSPROGRAMM
5.1. VORGESEHENER ABLAUF
5.2. ÜBERSICHT
5.3. AUFGABENBESCHREIBUNG DES MITARBEITERS
6. KOOPERATIONSPARTNER UND -EINRICHTUNGEN
7. LITERATURVERZEICHNIS
Anmerkungen

1. ZUSAMMENFASSUNG

Wohnungslosigkeit ist nach wie vor ein ungelöstes soziales Problem in Berlin (West), das regelmäßig mit dem Beginn der kalten Jahreszeit besondere Dringlichkeit erhält und sich im Zuge aktueller Entwicklungen der letzten Monate und Jahre zuzuspitzen droht.

Bei der Auseinandersetzung um das Ausmaß des Problems und seine Ursachen, zu Umfang und Konzeption der notwendigen Hilfeleistungen und der öffentlichen Diskussion über die allgemeine Wohnungsnot in dieser Stadt gerät die konkrete Situation der von der Wohnungslosigkeit Betroffenen schnell an den Rand der Aufmerksamkeit.

Dabei ist das Wissen um die aktuelle Lebenslage Wohnungsloser, um den Prozeß, der in diese Lebenslage führte und das Wissen um die individuellen Formen der Bewältigung und Verarbeitung von Wohnungslosigkeit unabdingliche Voraussetzung für eine soziale Arbeit, die sich in den letzten Jahren verstärkt an den Erfordernissen der Lebenslage Wohnungsloser orientiert.

Eben dieses Wissen ist nicht vorhanden. Dieses Defizit aufzulösen, hat sich das Forschungsvorhaben zur Aufgabe gemacht.

In Kooperation mit der Beratungsstelle für Wohnungslose in der Levetzowstraße und einer Wärmestube in Berlin - Tiergarten sollen mittels teilnehmender Forschung im Feld in einem ersten Schritt Erkenntnisse über die aktuelle Lebenslage und Lebenslagebewältigung Wohnungsloser in Berlin - Tiergarten gewonnen werden.

In einem zweiten Schritt sollen mit ausgewählten Einzelpersonen im Prozeß der Erarbeitung und Vergegenwärtigung der individuellen biographischen Entwicklung konkrete Handlungsschritte für die aktuelle Lebenslagebewältigung in einzelnen Tätigkeitsbereichen entwickelt werden.


2. KURZBESCHREIBUNG DES FORSCHUNGSGEGENSTANDS

Dem nach wie vor unterentwickelten Stand der wissenschaftlichen Forschung zur Lebenslage Wohnungsloser und der Verursachung von Wohnungslosigkeit steht eine "Nichtseßhaftenhilfe" gegenüber, die sich zunehmend aus ihrer bisherigen isolierten Stellung innerhalb der sozialen Arbeit zu lösen beginnt.

Beleg dafür ist die seit etwa 10 Jahren sich vollziehende Ergänzung und Weiterentwicklung der bisherigen stationären "Nichtseßhaftenhilfe" durch verschiedene Formen ambulanter, lebenslagebezogener Hilfe.

So wird 1978 in Berlin eine Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose gegründet, die sich heute in der Levetzowstraße befindet, 1983 entsteht mit dem "Warmen Otto" in der Waldenserstraße in Berlin - Moabit die erste von inzwischen 5 Wärmestuben[1].

Dennoch werden die bestehenden ambulanten Angebote - jetzt auch im Zuge der aktuellen Verschärfung von Wohnungslosigkeit - dem Umfang des Problems nicht (mehr) gerecht: Ein zunehmend erheblicher Teil der Betroffenen wird von den Hilfs- und Beratungsangeboten nicht oder nicht mehr erreicht[2].

Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind vielfältige Faktoren wie:

bei einem nur zögerndem Ausbau der ambulanten Hilfsangebote.

Vor allem die zentrale Beratungsstelle in der Levetzowstraße versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit streetwork[3] als Ergänzung ihres Hilfs- und Beratungsangebots zu reagieren und die Betroffenen so an den Orten ihrer eigenen Lebenswelt aufzusuchen.

An dieser besonderen Schnittstelle der Lebenswelt Wohnungsloser und dem "äußersten Rand" sozialer Arbeit mit Wohnungslosen besteht ein dringender Handlungsbedarf, wenn hier nicht eine neue Quelle für verschärfte und massive Sozialkonflikte entstehen soll.

Unmittelbare Voraussetzung für die Beurteilung der Möglichkeiten ambulanter Intervention und der Entwicklung adäquater Methoden im Rahmen der konzeptionellen Fortschreibung sozialer Arbeit mit Wohnungslosen ist dabei die Erarbeitung von detaillierten Kenntnissen zur Lebenslage der Betroffenen. Eine solche Kenntnis der Problematik muß notwendig auch die objektive Seite der individuellen Verarbeitung der Situation Wohnungsloser umfassen.

Dabei ist - wie die bisherige allgemeine Forschungslage zeigt - ein angemessenes Verständnis der Problemlage Wohnungsloser einseitig weder nach der Seite allein sozio-ökonomischer Erklärungsmodelle ("Problem struktureller Armut"), noch nach der Seite allein persönlichkeitsorientierter Erklärungsversuche ("Problem individueller Defizite") schlüssig aufzulösen.

Dagegen setzt sich in der neuesten Fachdiskussion mehr und mehr die Erkenntnis durch, Wohnungslose nicht länger als Klienten einer sozialen Arbeit zu verstehen und entsprechend zu behandeln, sondern Wohnungslose als Subjekte ihrer eigenen Lebenslage zu begreifen und eine soziale Arbeit an ihren Interessen und Möglichkeiten zu orientieren.

Ein solches Problemverständnis Wohnungsloser als Subjekte ihrer Tätigkeit umfaßt notwendig auch die Dimension der individuellen Gewordenheit:

Wohnungslosigkeit ist Ergebnis eines komplexen, vielschichtigen Prozesses von tätiger individueller Auseinandersetzung mit konkreten gesellschaftlichen Bedingungen, ein Prozeß, der weit vor dem äußeren Ereignis der Wohnungsverlustes beginnt und mit diesem noch lange nicht abgeschlossen ist. Ein Sachverhalt, der am ehesten mit dem Begriff Biographie oder biographische Entwicklung[4] zu erfassen ist.

Ist Wohnungslosigkeit Ergebnis dieser biographischen Entwicklung, so besteht das Ziel sozialarbeiterischer Intervention in der Umkehrung dieser Entwicklung, der Weg darin führt über die Kenntnis und Erarbeitung der individuellen Biographie.

Das Projekt soll - indem die Betroffenen an den Orten ihrer eigenen Lebenswelt aufgesucht werden - Aufschlüsse über die Lebenslage Wohnungsloser, ihren Lebensbedingungen und die Formen individueller Verarbeitung von Wohnungslosigkeit erbringen.

Ein besonderer Schwerpunkt soll auf die Erforschung und Erarbeitung des individuell - biographischen Prozesses, der in die Lebenslage führte, gelegt werden, um biographieorientierte ambulante Interventionsformen (-methoden) zu entwickeln und zu erproben.


3. GEGENWÄRTIGER WISSENSCHAFTLICHER KENNTNISSTAND

JOHN 1988 charakterisiert in seiner Überblicksarbeit zu "Ursache und Geschichte der Nichtseßhaftigkeit und die Möglichkeiten der Hilfe" die Forschungslage zu Verursachung von Wohnungslosigkeit mit der Feststellung: "Keiner der (...) bisherigen Erklärungsansätze vermochte mit dem bisher vorliegenden Material die Tatsache, daß in unserer Gesellschaft Menschen als Wohnungslose leben, über einzelne wichtige, aber eng begrenzte Teilaspekte hinaus hinreichend erklären." (JOHN 1988, 122).

Er verweist damit berechtigterweise auf den engen Zusammenhang zwischen den Kenntnissen über die Personengruppe der Wohnungslosen und dem Stand der Forschung bezüglich der Verursachungsproblematik:

Nur einige wenige wissenschaftliche Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum vermitteln detaillierte Kenntnisse der konkreten Lebenslage Wohnungsloser aus eigener Anschauung.

Für die 80er Jahre sind hier zu nennen die Arbeit von GIRTLER (1980) zu Wien, der Selbstversuch (!) von HENKE/ ROHRMANN (1981) im Raum Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, die im Rahmen des EG - Programms "Modellvorhaben und -studien zur Bekämpfung von Armut in Europa" (Projekt Nr. 4) entstandene Arbeit von WEBER (1984) in Tübingen und schließlich die Einzelfallstudien von GIESBRECHT (1987) zu Wohnungslosen in Hagen.

Für die Stadt Berlin liegt bis jetzt eine vergleichbare qualitative Untersuchung nicht vor.

Eine weitere Schwierigkeit im Zusammenhang mit der Forschungslage zum Problem Wohnungslosigkeit besteht aus dem Problemverständnis von "Nichtseßhaftigkeit" und den daraus resultierenden Effekten[5]:

Mit seinem "Plädoyer zur Trennung von dem Begriff 'Nichtseßhaftenhilfe'" setzt HOLTMANNSPÖTTER (1982) eine Diskussion in Gang, in deren Verlauf ALBRECHT fordert, "sich entschiedener als bisher von dieser Instanzenkategorie zu befreien, da sie offensichtlich immer noch unseren Blickwinkel verengt." (ALBRECHT 1985, 1; vgl. auch EHLERS / STENGLER/ WOLF 1985). ROHRMANN spitzt diese Diskussion mit dem Verweis auf die gesellschaftliche Praxis im Umgang mit Wohnungslosen als das eigentliche konstituierende Moment der begrifflichen Problematik zu:

Erst die Struktur der angebotenen Hilfe, das "Prinzip Nichtseßhaftenhilfe" (ROHRMANN 1987) selbst veranlaßt Wohnungslose zum Weitergehen, die Betroffenen können durch ihr Handeln somit immer nur bestätigen, was ihnen unterstellt wird - ihre "Nichtseßhaftigkeit". Daraus folgt, daß "nicht der Nichtseßhaftenbegriff als solcher eine Erkenntnisfalle ist, sondern das gesellschaftliche Verständnis und die gesellschaftliche Praxis, die sich mit diesem Begriff verbinden." (ROHRMANN 1987, 27).

JOHN verwendet 1988 erstmalig durchgängig den Begriff Wohnungslose[6] , um "das wesentliche gemeinsame Merkmal eher äußerlich und neutral zu benennen und Vorurteilsbildungen abzuwehren." (JOHN 1988, 36).

Der hier am Begriff aufgezeigte Wandel im Problemverständnis - Wohnungslosigkeit wird zunehmend im Kontext gesellschaftlicher Armut gesehen - vollzieht sich auf dem Hintergrund einer fortschreitenden Orientierung der sozialen Arbeit an der Lebenslage Wohnungsloser und der Entwicklung entsprechender ambulanter Hilfeformen[7].

Lebenslagebezogene Forschung und Entwicklung adäquater Hilfekonzeptionen erfordern einen "Wechsel von der Standpunktlogik der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse zur Logik des individuellen gesellschaftlichen Menschen" (JANTZEN 1979, 129). Im Bereich der sozialen Arbeit mit Wohnungslosen kommt dieser Anspruch bei EVERS in den Leitsätzen 3. und 4. (Zu den Perspektiven ambulanter Hilfe) am deutlichsten zum Ausdruck: "Kein automatisches (in der Hilfestruktur oder in der Struktur des Hilfehandelns begründetes) Wegdefinieren von Kompetenzen der Betroffenen!", "Lebensweltbezug herstellen, d.h. einen Ansatz wählen, der Klienten weitestgehend als Subjekte ihrer eigenen Lebenslage begreift und sich an ihren Interessen und Möglichkeiten orientiert!" (EVERS 1988, 7f, Fett i.O., der Verf.).

DANCKWERTS fordert bereits 1982 für einen analogen Bereich: "Ansätze und Strategien sozialer Arbeit mit Obdachlosen haben von den Besonderungen der materiellen, sozialen und psychischen Lebensbedingungen dieser Gruppe auszugehen." (DANCKWERTS 1982, 159). Die Entwicklung von geeigneten Handlungsstrategien setzt "... die Fähigkeit voraus, die einzelnen konkreten Situationen zu erfassen, zu analysieren, um angemessene Handlungen daran auszurichten. Erster Schritt ist es demnach, das Besondere im Verhältnis zum Allgemeinen, die Biographie des Obdachlosen als das Besondere eines Lohnarbeiterlebens zu ermitteln. Die Erarbeitung der Biographie hat zum Ziel, die konkreten Lebensverhältnisse als historisch entstandene zu erfassen." (DANCKWERTS 1982, 159).

Die besondere Funktion der "biographischen Rekonstruktion" wird für den Bereich der sozialen Arbeit mit Wohnungslosen erstmalig von ROHRMANN (1987) herausgearbeitet. Für ROHRMANN besteht das Ziel der pädagogischen Arbeit in der Aufgabe, "die Betroffenen zu befähigen, durch geeignete kooperative Formen der Konfliktbewältigung eine erweiterte Kontrolle über ihre Lebenssituation zu erlangen oder wiederzuerlangen. Eine zentrale Bedeutung wird hierbei die Fähigkeit zur Einsicht in die Gewordenheit und Veränderbarkeit der aktuellen Lebensbedingungen haben." (ROHRMANN 1987, 61). Dabei muß das Verhältnis "zwischen den objektiven Bedingungen von Armut und Wohnungslosigkeit und der subjektiven Deutung und Verarbeitung dieser Bedingungen durch die Betroffenen ... grundlegend neu gefaßt und herausgearbeitet werden. Eine solche Arbeit steht bisher noch aus" (ROHRMANN 1987, 58).

ROHRMANN fordert - indem er HOLZKAMP/ SCHURIG "Zur Einführung in A.N. Leontjews 'Probleme der Entwicklung des Psychischen'" (1980) zitiert - einen Erklärungsansatz, der es ermöglicht, den "gesellschaftlichen Menschen in seiner Individualität" und die Persönlichkeit eines Individuums als "Ausdruck seiner indivividualgeschichtlichen Gewordenheit" zu begreifen (HOLZKAMP/ SCHURIG 1980, S. XXVI; zit. nach ROHRMANN 1987, 57).

Insofern die individuellen Biographie Wohnungsloser Bestandteil der o.g. Arbeiten zur Lebenslage Wohnungsloser ist, wird sie nur in einem engeren Sinne - als vergangene Lebensgeschichte - Gegenstand der Untersuchung.

Die hier interessierende weitergehende Fragestellung zielt auf das im Zuge der individuellen biographischen Entwicklung entstandene System entwickelter persönlicher Sinnbildungen in der Form angeeigneter Bedeutungen. Die angeeigneten Bedeutungen repräsentieren einerseits die lebensgeschichtlich erworbenen Erfahrungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen usw. in ihrer gesellschaftlichen Dimension, repräsentieren andererseits aber auch die in den objektiven wie subjektiven Widersprüchlichkeiten des Lebensprozesses begründeten ganz persönlichen Sichtweisen, Auslassungen, Verkürzungen, Gewichtungen, Verzerrungen, Verfälschungen usw. Zugleich sind die angeeigneten Bedeutungen auf der individuellen Bewußtseinsebene orientierendes Moment der aktuellen tätigen Lebenslagebewältigung - durchaus nicht nur in Übereinstimmung, sondern oftmals auch im Widerspruch und Gegensatz zu persönlichen Sinnbildungsprozessen (vgl. LEONTJEW 1982; KUCKHERMANN/ WIGGER-KÖSTERS 1986).

Es liegt auf der Hand, daß die so gegenwärtige Präsenz und Deutung individuell-biographischer Gewordenheit nicht ein für alle Mal feststeht, sondern wiederum selbst zum Gegenstand individueller Tätigkeit werden kann: Im Verlauf individueller Entwicklung, aufgrund bestimmter Umstände und Zufälle des konkreten Lebensvollzugs, aber auch in Form der bewußten Erarbeitung der Biographie.

Von hier aus erschließt sich die Herangehensweise und der besondere Stellenwert der Erforschung individueller biographischer Entwicklung.

Für das hier beschriebenen Projekt soll der wissenschaftliche Bezugsrahmen der psychologischen Tätigkeitstheorie - insbesondere die Arbeiten von LEONTJEW (1973 und 1982; s.o.) und anderer Autoren der kulturhistorischen Schule (Wygotsky, Galperin, Luria) zugrunde gelegt werden. Desweiteren sollen auch neuere Arbeiten zur tätigkeitstheoretischen Konzeption, beispielsweise von KUCKHERMANN (1988), KUTSCHER (1988) und ARNKILL (1988) Berücksichtigung finden. Zur Bearbeitung der Fragestellung nach der biographischen Entwicklung Wohnungsloser und ihrer Rekonstruktion und gemeinsamen Erarbeitung können die von KUCKHERRMANN/ WIGGER-KÖSTERS (1986) vorgeschlagenen einzelnen Untersuchungsschritte weiter operationalisiert werden.

Für ein biographieorientiertes Forschungsinteresse dieser Art in diesem besonderen Feld existieren bislang keine angewendeten methodologischen und methodischen Vorlagen, die herangezogen werden könnten.

In einer eigenen Vorarbeit des Mitarbeiters zeigt SCHNEIDER (1990), ausgehend von tätigkeitstheoretischen Überlegungen unter Bezug auf LEONTJEW die besondere Bedeutung der je eigenen Wohnung als grundlegende Bedingung für eine ganze Vielzahl von individuellen Tätigkeiten und Beziehungen auf. Indem er die Funktion der jeweils eigenen Wohnung als Bezugspunkt wählt, kann er herausarbeiten, wie im Zusammenhang des komplexen Prozesses des Wohnungslos-Werdens mit dem einzelnen äußeren Ereignis des Wohnungsverlustes die gesamte Struktur der individuellen Tätigkeiten und Beziehungen Wohnungsloser in Folge der so veränderten Lebenslage eine grundlegende Veränderung erfahren hat.

Anhand teilnehmender Beobachtungen (Feldforschung) in einer Wärmestube kann dokumentiert werden:

Aufgrund verschlechterter konkreter Bedingungen der neuen Lebenslage werden auf der einen Seite vergleichsweise umfangreichere Handlungen und Handlungsketten zum Erreichen einzelner Ziele sowie die Entwicklung neuer, angemessenerer Handlungsstrukturen - mit sich daraus ergebenden neuen Problemlagen - erforderlich, auf der anderen Seite wird systematisch die Verwirklichung individueller Tätigkeiten und Beziehungen in z.T. existenzgefährdender Weise eingeschränkt, be- und verhindert.

Die daraus resultierenden Konflikte auf der Ebene der psychischen Verarbeitung der Lebenslage finden in vielfältiger Weise und individuell sehr unterschiedlich ihren Ausdruck: Von der Vorstellung individuellen "Versagens" und Versuchen, sich "in das Schicksal zu fügen" über Formen offener Aggression und Auflehnung einerseits und Formen der Resignation und Enttäuschung andererseits bis hin zur Völligen Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst und anderen.

Die einzige vergleichbare Untersuchung ist das zur Zeit an der FHS Nordostniedersachsen in Lüneburg am Fachbereich Sozialwesen unter der Leitung von Rolf Krüger bestehende Projekt von Petra Heinzel:

"Ambulante Hilfen für alleinstehende Wohnungslose - Kritische Untersuchungen und Arbeitshilfen aus und für einen spät entwickelten Arbeitsbereich der Sozialarbeit". Hier ergeben sich zahlreiche Übereinstimmungen in der theoretischen und methodologischen Vorgehensweise: Kontakte zu diesem Projekt bestehen bereits.


4. ZIELSETZUNG

Ziel des Projekts ist, erstmalig eine auf die Stadt Berlin bezogene qualitative wissenschaftliche Forschungsarbeit zur Lebenslage Wohnungsloser zu leisten und damit zugleich auch einen Beitrag in die allgemeine Fachdiskussion einzubringen.

Mit der besonderen Orientierung der Forschung an der Subjektivität und Biographie Wohnungsloser wird eine in der Fachdiskussion sich abzeichnende Entwicklung aufgegriffen und am Fall eines Projekts konkretisiert.

Die zu erarbeitenden Erkenntnisse und Ergebnisse können als direkte Anregungen in die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung um ein subjektorientiertes Problemverständnis und entsprechende weitergehende Forschungen eingehen. Mittelbar ergeben sich Anregungen einerseits zur generellen Ursachenforschung von Wohnungslosigkeit sowie andererseits dann zur konzeptionellen Entwicklung der Hilfen für Wohnungslose und ihrer Begründung, beides Bereiche, die im engsten inhaltlichen Zusammenhang mit dem zugrundegelegten Problemverständnis stehen.

Bezogen auf Berlin ist das Ziel des Projekts, die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse als Beitrag zur Qualifizierung und Weiterentwicklung ambulanter sozialer Arbeit mit Wohnungslosen zu dokumentieren und den entsprechenden Einrichtungen zugänglich zu machen.

Das gilt zunächst insbesondere für die bestehenden Einrichtungen in Berlin - Tiergarten. Auf diesen Bezirk soll die Forschung konzentriert und schon während der Projektphase insbesondere mit der Wärmestube "Warmer Otto" in der Waldenserstraße und der Beratungsstelle in der Levetzowstraße rückgekoppelt werden.

Für alle ambulanten Einrichtungen Berlins sollen die in Berlin-Tiergarten gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse aufgearbeitet und verallgemeinert werden, um sie dann in Form einer mehrtägigen Fortbildungs- und Diskussionsveranstaltung, die ebenfalls zu dokumentieren ist, für alle interessierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der ambulanten Einrichtungen für Wohnungslose darzustellen.

Bezüglich der Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagogen/innen in den ambulanten Einrichtungen der Hilfe ist zu erwarten, daß das geplante Forschungsprojekt auf breites Interesse stößt. Die Feldforschung knüpft an das bisher praktizierte streetwork-Konzept an. Die so erweiterten Kenntnisse können zum einen direkt hier eingehen, zum anderen kann damit das Wissen der Mitarbeiter/innen aus den Einrichtungen vertieft werden hinsichtlich ihres unmittelbaren Umgangs mit den Betroffenen. Zur erwarten ist, daß - über den konkreten Einzelfall hinaus - wichtige Beiträge zum Verständnis der besonderen Lebenslage und der Herausbildung spezifischer Formen der Lebenslagebewältigung auf dem Hintergrund der individuellen Gewordenheit geliefert werden können. Dabei sind auch die - durch die Beschränkung des zu untersuchenden Feldes - sich erweisenden Eigenheiten und Besonderheiten des Bezirks von Bedeutung, die "Logik des Stadtteils".

In Fachkreisen ist in erster Linie eine Auseinandersetzung über das zugrundegelegte Problemverständnis, über die erarbeiteten Erkenntnisse im Feld und die jeweils eigene Sicht- und Herangehensweise anzunehmen. Erst in zweiter Linie ist eine Auseinandersetzung über die angewandten Methoden in Hinblick auf eine Weiterentwicklung ambulanter sozialer Arbeit und einer konzeptionellen Fortschreibung im Sinne eines subjektorientierten Arbeitsansatzes, die in einen konkreten Ausbau bestehender ambulanter Hilfen münden, zu erwarten.

Letzteres ist wiederum im Wesentlichen abhängig von der Entwicklung der sozialpolitischen Rahmenbedingungen ambulanter sozialer Arbeit mit Wohnungslosen, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar ist und erst in einer späteren Phase des Projekts berücksichtigt werden kann.

Bezogen auf die Gruppe der Wohnungslosen ist zu erwarten, daß mit einem Teil der Betroffenen eine schlüssige, wichtige Phasen des Lebens erfassende Bearbeitung und Dokumentation der biographischen Entwicklung möglich ist und daran anschließend in einzelnen, engumgrenzten Tätigkeitsbereichen mit den Betroffenen konkrete Handlungsschritte zur praktischen, tätigen Lebenslagebewältigung und -veränderung erarbeitet werden können.

Mögliche Bereiche könnten sein:


5. ARBEITSPROGRAMM

5.1. VORGESEHENER ABLAUF


1. "Erstellung eines Fragenkatalogs 1"

Zur Vorbereitung der Feldforschung wird, ausgehend von tätigkeitstheoretischen Überlegungen und in Weiterentwicklung eigener Vor arbeiten, ein Katalog forschungsorientierender Fragen zur teilnehmenden Beobachtung im Feld erstellt.

2. "Expertenbefragung 1"

Experten und Expertinnen aus Einrichtungen und Institutionen im Bezirk Tiergarten sollen a) auf Kenntnisse über Wohnungslose auf der Straße, ihre Aufenthaltsorte, Treffpunkte und Gewohnheiten, b) zum "Fragenkatalog 1" befragt werden.

3. "Erkundung des Feldes"

Der Bezirk soll in Hinblick auf Treffpunkte und Aufenthaltsorte Wohnungsloser (Gruppen und Einzelpersonen) begangen und erkundet werden. Zur Orientierung kann auf die Expertenbefragung und eigene Erkenntnisse zurückgegriffen werden. In diesem Arbeitsschritt sollen persönliche Kontakte zu Wohnungslosen aktiviert werden. Diese Personen haben eine wichtige Funktion für die Kontaktaufnahme in der Anfangsphase der Feldforschung. Kontakte dieser Art bestehen bereits auf Seiten des Mitarbeiters aufgrund erfolgter teilnehmender Beobachtung in der Wärmestube in Moabit (vgl. SCHNEIDER 1989). Abschließend erfolgt eine Festlegung auf die aufzunehmenden Kontakte. Die Personen sollten sich hinsichtlich ihres Alters, Geschlechts, äußeren Erscheinungsbildes und ihrer Gewohnheiten unterscheiden, um ein möglichst breites Spektrum aus der Gruppe Wohnungslosen zu erfassen.

4. "Feldforschung 1 und Feldprotokoll 1"

Über die Kontaktpersonen sollen im Verlauf eines Monats Kontakte zu möglichst einer größeren Gruppe (eventuell zu zwei kleineren Gruppen, ggf. auch zu weiteren Einzelpersonen) aufgenommen werden. Diese Kontakte sollen einen Kern von etwa 12 - 18 Personen umfassen, sie sollen zur eigenen Person und das Interesse des Forschenden informiert werden. Hierbei, wie auch in der "Feldforschung 2", kann auf Erfahrungen des Mitarbeiters im Feld zurückgegriffen werden. Methodisch sind die Vorbilder aus der Ethnomethodologie und Kulturanthropologie analog heranzuziehen. Als zusätzliche Orientierung soll zum bestehenden Forschungsprojekt an der FHS Nordostniedersachsen Kontakt gehalten werden.

Während der gesamten Feldforschungsphase ist es notwendig, kontinuierlich an den Handlungen und Gesprächen der Betroffenen teilzunehmen, den eigenen Lebensrhythmus dem der Wohnungslosen anzugleichen und möglichst schnell eine geeignete Forscherposition einzunehmen. Die teilnehmende Beobachtung soll an mehreren Tagen in der Woche jeweils für etwa 3 - 6 Stunden erfolgen, im Anschluß an jede Beobachtungseinheit sind die im Feld gewonnenen Informationen und Kenntnisse entsprechend dem "Fragenkatalog 1" in einem Feldprotokoll (Matrix) festzuhalten.

5. "Auswertung 1"

Die Auswertung der "Feldforschung 1" erfolgt anhand des "Fragenkatalogs 1" und der erstellten Auszeichnen. Neben den Erkenntnissen zu Lebenslage, -bedingungen und individueller Verarbeitung von Wohnungslosigkeit sind Berichte und Erzählungen Wohnungsloser zu ihrer Lebensgeschichte besonders herauszuarbeiten. Dieses bereits vorhandene Wissen ist eines der Kriterien für die Auswahl der Personen, zu denen in der "Feldforschung 2" intensiver Kontakt aufgenommen werden soll. Die während der "Feldforschung 1" entstandenen Kontakte sind während der "Auswertung 1" in geringerem zeitlichen Umfang aufrechtzuerhalten, um daran anknüpfen zu können.

6. "Erstellung eines Fragenkatalogs 2 und Entwicklung von geeigneten Methoden zur Erarbeitung der Biographie"

Ausgehend von den Erkenntnissen der "Auswertung 1" und in Fortsetzung des "Fragenkatalogs 1" 8011 ein Katalog forschungsorientierender Fragen zur biographischen Entwicklung Wohnungsloser erstellt werden. Darüber hinaus sind geeignete Methoden zu entwickeln, die eine gemeinsame Erarbeitung der individuellen biographischen Entwicklung Wohnungsloser (und ggf. die Entwicklung sich daraus ergebender konkrete Handlungsschritte) ermöglichen. Die verschiedenen Methoden der qualitativen Sozialforschung sind in Hinblick auf die spezifischen Anforderungen des Forschungsgegenstands auszuwählen. Erst auf dem Hintergrund des zu diesem Zeitpunkt bestehenden Kenntnisstands und zur Beantwortung der erarbeiteten Forschungsfragen ist die besondere Leistungsfähigkeit der jeweiligen Methoden zu klären, sind die Methoden ggf. zu modifizieren und ihre Auswahl letztlich von diesen Gesichtspunkten her vorzunehmen und zu begründen. Besondere Berücksichtigung 8011 dabei das methodologische Konzept subjektorientierter Sozialforschung (WITZEL 1982; HELD 1985) finden.

7. "Expertenbefragung 2"

Experten und Expertinnen sollen a) zu den vorliegenden Ergebnissen der "Auswertung 1", b) zum "Fragenkatalog 2" c) zu den entwickelten "Methoden zur Erarbeitung der Biographie" befragt werden.

Dabei sind in Erweiterung des Kreises der "Expertenbefragung 1" auch Experten und Expertinnen hinzuzuziehen, die - auch bezogen auf andere Personengruppen - Erfahrungen mit biographisch orientierter Forschung einbringen.

8. "Feldforschung 2 und Feldprotokoll 2"

Die bestehenden Kontakte zu Wohnungslosen aus der "Feldforschung 1" sind bezogen auf einzelne Personen aus diesem Kreis zu intensivieren. Insgesamt sollen intensive Kontakte zu etwa 4 - 8 Personen für den gesamten Zeitraum der "Feldforschung 2" hergestellt und aufrecht erhalten werden. Die Personen sollen sich - ebenfalls wie in "Feldforschung 1" - hinsichtlich Alter, Erscheinungsbild, Aktivität und Geschlecht unterscheiden und ein breites Spektrum aus der Gruppe der Wohnungslosen umfassen. Die einzelnen Personen sollen regelmäßig aufgesucht und in ihren Aktivitäten begleitet werden.

Über die persönliche Gesprächsführung hinaus sind die Wohnungslosen von vorneherein in die verschiedenen Methoden der Erarbeitung und Dokumentation ihrer biographischen Entwicklung aktiv mit einzubeziehen. Von besonderem Interesse ist es hierbei zu prüfen, inwiefern sich aus diesem Prozeß Konsequenzen - zur Erarbeitung von konkreten Handlungsschritten - für die aktuelle Lebenslagebewältigung der Wohnungslosen ergeben. In diesem Prozeß können eigene Aufzeichnungen der Betroffenen, aber auch Aufzeichnungen mit Tonband und Videokamera ein wichtiges Hilfsmittel sein - Aufzeichnungen, die sie ggf. auch selbst erstellen und mit denen sie wiederum auch selbst konfrontiert werden. Das Einverständnis und die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme sind dabei vor ausgesetzt[8] Die einzelnen Forschungseinheiten sind ebenfalls in einem "Feldprotokoll 2" entsprechend dem "Fragenkatalog 2" und bezogen auf die einzelnen Personen festzuhalten - Tonbandaufzeichnungen sollen transkribiert, Videoaufzeichnungen aufgearbeitet werden. 

9. "Auswertung 2"

Die Auswertung der "Feldforschung 2" erfolgt anhand des "Fragen katalogs 2", der erstellten eigenen Aufzeichnungen und der erarbeiteten Dokumente (Aufzeichnungen der Betroffenen, Transkripte von Tonbandaufzeichnungen, Videoaufzeichnungen usw.). Weiterhin sollen allgemeine, aus dem Forschungsprozeß gewonnene Erkenntnisse zu Lebenlage und Lebenslagebewältigung berücksichtigt werden. Die erfolgte Erarbeitung der Biographie ist bezogen auf die einzelnen Personen auszuwerten und darzustellen.

Neben dem Versuch der zusammenhängenden, schlüssigen biographischen Rekonstruktion der individuellen Entwicklung aufgrund des vorlie genden Materials ist dabei ist besondere Aufmerksamkeit auf die Auswertung des Prozeßcharakters ihrer Erarbeitung während der Feld forschung und der praktizierten methodischen Vorgehensweise zu rich ten. Bei der Auswertung zu berücksichtigen ist auch die individuelle Entwicklung der Betroffenen im Prozeß der gemeinsamen Erarbeitung der Biographie.

10. "Vorbereitung, Durchführung, Auswertung der Fortbildungsveranstaltung"

Die Ergebnisse der "Auswertung 1" und "Auswertung 2" werden in Hinblick auf eine Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiter/innen aus den ambulanten Einrichtungen aufgearbeitet. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in Hinblick auf einzelne Aspekte vorbereitend strukturiert werden. Dabei sind vor allem solche Aspekte aus dem Forschungszusammenhang herauszuarbeiten, die sich von besonderer Relevanz für konkrete Arbeitszusammenhänge schon während der Projektphase ergeben haben und in der Praxis von beson derem Interesse sind oder sein können: a) Lebenslage und Lebenslagebewältigung Wohnungsloser (im unter suchten Feld), b) Bedingungen der Lebenslage Wohnungsloser unter Berücksichtigung der Besonderheiten des untersuchten Bezirks, c) Bedeutung der individuellen biographischen Entwicklung für die aktuelle Lebenslagebewältigung und -veränderung, d) methodische Vorgehensweise und Möglichkeiten der Anwendung, e) zugrundegelegtes Problemverständnis und Problemverständnis der Pädagogen9 aus dem Praxisfeld, Schlußfolgerungen für die alltägliche Arbeit. Die Fortbildungsveranstaltung ist auszuwerten, ihre Ergebnisse sind in die Gesamtauswertung einzuarbeiten. 


11. "Gesamtauswertung" und "Abschlußbericht"

Auf der Grundlage von "Auswertung 1", "Auswertung 2" und der Auswer tung der Fortbildungsverabstaltung ist eine Gesamtauswertung des Projekts zu erstellen, die Ergebnisse zu bewerten. Im Abschluß bericht sind die Ergebnisse der Gesamtauswertung des Projekts auf dem Hintergrund der erfolgten einzelnen Arbeitsschritte und unter Einbeziehung der Ergebnisse der Expertengespräche, der erarbeiteten Fragenkataloge,der entwickelten Methoden und der durchgeführten Fortbildungsveranstaltung zusammenfassend darzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf die Darstellung der Forschung im Feld gelegt werden.

Inwieweit das zugrundegelegte Problemverständnis der Mitarbeiter/innen gegenüber ihrer "Klientel" praktische Folgen für den konkre ten Umgang in der praktischen sozialen Arbeit mit Wohnungslosen hat, belegt beispielsweise der Bericht aus der Arbeitsgruppe "Menschenbild" der Tagung "ARME UND OBDACHLOSE IM 750. JAHR" (1988).

12. "Vorbereitung, Durchführung einer abschließenden Expertenrunde"

In einer abschließenden Expertenrunde nach Beendigung des Projekts sollen die Ergebnisse Experten aus Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit mit Wohnungslosen vorgestellt werden. Ausgehend von der Gesamtauswertung und dem Abschlußbericht sind die Gesprächsthemen der Expertenrunde vorbereitend auf konkrete Fragestellungen - bezüglich Vorgehensweise, Forschungslage, Inhalte, Qualität und Relevanz der Ergebnisse, Möglichkeiten der Verwertung, Anwendbarkeit und Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse usw.- hin zu strukturieren. Nach der Diskussion über das vorgestellte abgeschlossene Projekts anhand vorbereiteter Themenstellungen können in einem zweiten Schritt auf allgemeinerer Ebene daraus sich ergebende Schlußfolgerungen und Konsequenzen bezüglich der Forschungslage und in Hinblick auf die weitere konzeptionelle Entwicklung ambulanter Hilfen im Rah men der sozialen Arbeit mit Wohnungslosen diskutiert werden.
 

13. "Auswertung, Dokumentation der Expertenrunde"

Die Bewertungen zum vorgestellten Projekt und die sich daran anschließenden Diskussionen zu den einzelnen Gegenstandsbereichen in der der Expertenrunde sollen ebenfalls ausgewertet, dokumentiert und - wenn möglich - der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

5.2. ÜBERSICHT

10/90
1. Erstellung eines Fragenkatalogs 1
2. Expertenbefragung 1
3. Erkundung des Feldes

11/90 - 2/91

4. Feldforschung 1 und Feldprotokoll 1

3/91 - 6/91

5. Auswertung 1

5/91 - 6/91

6. Erstellung eines Fragenkatalogs 2 und Entwicklung geeeigneter Methoden zur Erarbeitung der Biographie
7. Expertenbefragung 2

7/91 - 1/92

8. Feldforschung 2 und Feldprotokoll 2 mit Erarbeitung und Dokumentation von Biographie

2/92 - 7/92

9. Auswertung 2

7/92 - 8/92

10. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung der Fortbildungsveranstaltung
8/92 - 9/92
11. Gesamtauswertung, Abschlußbericht

9/92 - 10/92

12. Vorbereitung, Durchführung einer abschließenden Expertenrunde

10/92

13. Auswertung, Dokumentation der Expertenrunde

5.3. AUFGABENBESCHREIBUNG DES MITARBEITERS

Das Projekt wird am Institut für Allgemeine Pädagogik der HDK Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Georg Rückriem durchgeführt.

Mitarbeiter des Projekts ist Dipl.Päd. Stefan Schneider.

Er übernimmt alle angegebenen Aufgaben bei ständiger Rückmeldung über die erfolgten einzelnen Arbeitsschritte und in unmittelbarer Kooperation mit dem Projektleiter. Aufgrund der im Rahmen seiner Diplomarbeit erfolgten Forschungen ist er mit der Arbeit und den Bedingungen im Feld, der Protokollierung und Auswertung vertraut.

Seine Aufgaben im einzelnen (Stichworte):


6. KOOPERATIONSPARTNER UND -EINRICHTUNGEN

a) direkt soll kooperiert werden mit:

b) Kontakt soll gehalten werden zu

c) Teilnahme ist vorgesehen bei:

d) zur Teilnahme an einer abschließenden Expertenrunde sollen folgende Einrichtungen und Einzelpersonen angeschrieben werden:

(vorläufige Aufstellung)

sowie:


7. LITERATURVERZEICHNIS


Anmerkungen

[1] Zur Entwicklung ambulanter sozialer Arbeit mit Wohnungslosen in Berlin (West) vgl. ABGEORDNETENHAUS 1974 (Obdachlosenplan); ABGEORDNETENHAUS 1977 (Konzeption der Hilfe für nichtseßhafte Personen in Berlin - Bericht einer Projektgruppe); ABGEORDNETEN-HAUS 1987 (Hilfen für wohnungslose Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten).

[2] In der Stichtagszählung vom 13.10.89 werden allein für Berlin - Kreuzberg 987 untergebrachte Wohnungslose , 110 Bauwagen und Zelte gezählt bei einer geschätzten Dunkelziffer von 1000 Personen allein für diesen Bezirk. Der Senat von Berlin nennt für das III. Quartal 1989 6.047 untergebrachte (!) Wohnungslose; das Diakonische Werk schätzt für den gleichen Zeitraum die Anzahl Wohnungsloser in einer Größenordnung von 12.400 - 15.650 gegenüber 10.050 - 13.050 im Zeitraum 1978/88. Vgl. BINFO 1990.

[3] Straßensozialarbeit. Zu streetwork in der sozialen Arbeit mit Wohnungs- losen vgl. SWEENEY-RIETHMÜLLER (1989), für die Stadt Berlin vgl. BANISKE/ PFAHLER (1987).

[4] Biographie und biographische Entwicklung werden hier synonym verwendet. Das besondere Forschungsinteresse zielt dabei nicht auf die zeitliche Vollständigkeit der äußeren Lebensgeschichte, sondern auf das Moment des individuellen Prozesses in seiner gesellschaftlichen Einzigartigkeit.

[5] Vgl. dazu GOSCHLER (1983).

[6] Im Unterschied zu "Obdachlosen" (in Einrichtungen der Obdachlosenhilfe untergebrachte Familien oder Teilfamilien); der gelegentlich verwendete Zusatz "alleinstehende" Wohnungslose ist wegen der grundlegend anderen Situation Wohnungsloser nicht notwendig (vgl. JOHN 1988, 36; zur unterschiedlichen Verfahrensweise gegenüber Obdachlosen und Wohnungslosen vgl. SCHNEIDER 1989, 46f.)

[7] Vgl. EVERS (1988) und WOLF (1989). Für Berlin vgl. Abschnitt 2. Kurzbeschreibung des Forschungsgegenstands.)
[8] Eine ähnliche Vorgehensweise - die erarbeite Fallgeschichte einer Arbeiterfamilie - ist dokumentiert von GUGGENHEIMER/ OTTOMEYER (1980).