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Kommentierter Gliederungsvorschlag einer Lehrveranstaltung (2 SWS)

Elektrifizierter Zaun - Quelle: Wikimedia CommonsPartizipation und soziale Ausschließung in der arbeitsfeldbezogenen Reflexion (unter Berücksichtigung von demografischem Wandel und Generationen-beziehungen)

Vorbemerkung: Entsprechend der Modulbeschreibung werden zwar eine Vielzahl von Inhalten behandelt, jedoch liegt der inhaltliche Schwerpunkt dieses Gliederungsvorschlages bei dem Aspekt des demografischen Wandels und den Generationenbeziehungen.

1. Einheit: Worum es geht und wie wir arbeiten (Start)

  1. Verständigung über die Tagesordnung & Moderation (2')

  2. Vorstellung des Dozenten (8')

  3. Impuls: Neue Herausforderungen für die Soziale Arbeit durch den Demografischen Wandel in Bezug auf soziale Ausschließung & Partizipation (20')

  4. Nachfragen, Debatte (10')

  5. Vorstellung der Arbeitsweise (Tagesordnung / Impuls durch Studierende / Aussprache / Vorstellung einer Handlungssituation durch Studierende/ Analyse & Bearbeitung in Arbeitsgruppen / Vorstellung der Ergebnisse / Erörterung von Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit) (15')

  6. Brainstorming: Erwartungen & Interessensschwerpunkte der Teilnehmer_innen (5')

  7. Vorstellung und Strukturierung der Ergebnisse / Verabredungen über Zuständigkeiten: Impuls/ Vorstellung konkreter Handungssituationen (25')

  8. Studierendenangelegenheiten/ Sonstiges / Organisatorisches (5')

2. Einheit: Über Generationen hinweg ausgegrenzt?

Konzepte zu sozialer Ausschließung und ihre Aussagen zu demografischem Wandel & Generationenbeziehungen

  1. Verständigung über die Tagesordnung, Protokoll & Moderation (5')

  2. Sichtung der Dokumentation der vorausgegangenen Sitzung (5')

  3. Impuls (20')

  4. Nachfragen & Debatte (10')

  5. Vorstellung einer konkreten Handlungssituation (10')

  6. Analyse in Arbeitsgruppen (20')

  7. Vorstellung der Ergebnisse, Debatte (15')

  8. Studierendenangelegenheiten/ Sonstiges / Organisatorisches (5')

Anregungen für Handlungssituationen: Grundsicherungsstelle einer Stadt (Organisation), Fall einer Familie, die generationsübergreifend ALG bezieht (Fall), Beratungsstelle: Nachfrage, ob Zuständigkeit für arme Eltern besteht (Situation)

3. Einheit: Pöbel & Gesocks oder Das (alte) Lumpenproletariat bleibt aussen vor?

Die Konzepte von Klasse und Schicht und ihre Aussagen zu sozialer Ausschließung, demografischem Wandel & Generationenbeziehungen Struktur wie in der Einheit 2.

Anregungen für Handungssituationen: Tafel-Essensausgabestelle (Organisation), langzeitarbeitsloser, süchtiger Mietschuldner (Fall), älterer Langzeitarbeitsloser fragt auf Job-Center nach einem Arbeitsplatz (Situation)

4. Einheit: Du bist nicht Frau, Du wirst es, und als Frau hast Du 23% weniger!

Queere und Feministische Konzepte und ihre Aussagen zu sozialer Ausschließung, demografischem Wandel und Geschlechterbeziehungen Struktur wie in der Einheit 2.

Anregungen für Handlungssituationen: Diakonisches Werk (Verteilung von Leitungspositionen; Organisation), alleinerziehende Mutter versucht Wiedereinstieg in den Beruf (Fall), Jugendliche wird in einer JFE als Lesbe beschimpft (Situation)

5. Einheit: Warum der vietnamesische Zigarettenhändler nicht in den Ruhestand geht

Konzepte zu Integration, Migration & Interkultureller Arbeit und ihre Ausssagen zu sozialer Ausschließung, demografischem Wandel & Generationenbeziehungen Struktur wie in der Einheit 2.

Anregungen für Handlungssituationen: Die Sozialarbeit eines Migrantenvereins (Organisation), die Altersicherung eines Menschen mit Migrationshintergrund (Fall), ausländerfeindliche Handlungen in einer sozialen Einrichtung (Situation)

6. Einheit: Wenn der Berufsjugendliche in den Vorruhestand geht

Erkenntnisse zum Demografischen Wandel & Generationsebeziehungen in den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit Struktur wie in der Einheit 2.

Anregungen für Handlungssituationen: Personalbestand- und -entwicklungsanalyse bei einem größeren Träger der Jugendarbeit (Organisation), Sozialarbeiter in einer Jugendeinrichtung in Altersteilzeit (Fall), Jugendamt berät Konsequenzen des Demografischen Wandels in der eigenen Organisation (Situation)

7. Einheit: Google Home oder Öffentlichkeit am Ende der Privatheit?

Konzepte zu Medien, Öffentlichkeit und Computergesellschaft und ihre Aussagen zu demografischem Wandel & Generationensbeziehungen Struktur wie in der Einheit 2.

Anregungen für Handlungssituationen: Aktenführung in Sozialen Unternehmen (Organisation), arme Seniorinnen, die den Weg zur Grundsicherungsstelle scheuen (Fall), psychisch kranker Sozialamts-Kunde verlangt Akteneinsicht (Situation)

8. Einheit: Versöhnen statt Spalten. Teilhabe als Herrschaftsstrategie?

Konzepte zu Partizipation und ihre Aussagen zu demografischem Wandel & Generationenbeziehungen

Anregungen für Handlungssituationen: Betroffenenbeteiligung in der Wohnungslosenhilfe (Organisation), Engagierter Senior in einer Senior_innenvertretung (Fall), Bürger kommt in Beratungsstelle und möchte Leitungsstelle verklagen (Situation)

9. Einheit: Was tun? Die (Partei/Gewerkschaft/Gruppe/Initiative/Gemeinde/ Vereinigung/Nachbarschaft /.... / ... )* als kollektiver Organisator?

Konzepte zu Selbstorganisation und ihre Leistungsfähigkeit in Bezug auf auf Partizipation, Demografischer Wandel & Generationbeziehungen

Anregungen für Handlungssituationen: Gemeinde als Ort der Selbstorganisation von Generationen (Organisation), ehrenamtliche Mitarbeiterin eines Seniorenbesuchsdienstes (Fall), Teamsitzung eines Nachbarschaftszentrums: Verstärkt sollen Senior_innen angesprochen werden (Situation)

10. Einheit: Alles verändert sich, wenn Du es/Dich veränderst?

Biopolitische Konzepte alternativer Referenzialität und ihre Leistungsfähigkeit in Bezug auf Partizipation, Demografischer Wandel & Generationbeziehungen

Anregung für Handlungssituationen: Die Grauen (Organisation), "ich werde noch gebraucht"-Selbstverständnis aktiver Senior_innen (Fall), Ich möchte eine Oma haben – Anfrage bei einer Ehrenamtsbörse (Situation)

11. Einheit: Auf Facebook organisieren wir einen Flasmob?

Konzepte zur Renaissance des Sozialen im Web 2.0 und ihre Leistungsfähigkeit in Bezug auf Partizipation, Demografischer Wandel & Generationenbeziehungen

Anregung für Handlungssituationen: Internetangebote in Seniorenbegegnungsstätten (Organisation), als Senior im Web unterwegs (Fall), Nutzer einer Seniorebegegnungsstätte berichtet über Internet-Abzocke (Situtation)

12. Einheit (Abschluss)

  1. Verständigung über die Tagesordnung, Protokoll & Moderation (5')

  2. Sichtung der Dokumentation der vorausgegangenen Sitzung (5')

  3. Open Space zu den Seminarergebnissen: (Zentrale Erkenntnisse / Offene Fragen / Perspektiven / Erarbeitung eines Abschlussstatements (40')

  4. Vorstellung und Debatte des Abschlussstatements (20')

  5. Fragen zur Mündlichen Prüfung und zur Erstellung eines Thesenpapiers (15')

  6. Studierendenangelegenheiten/ Sonstiges / Organisatorisches (5')

Kommentar: Formale Struktur, Vorgehensweise und Inhalte

Didaktischer Kommentar

Max Klinger - Handlung - Quelle: Wikimedia Commons (näheres siehe dort)

Theorie-Praxis-Bezug. In diesem Seminarkonzept wird die Absicht verfolgt, eine Verbindung herzustellen zwischen den theoretischen Konzepten der sozialen Ausschließung und der Partizipation (in Bezug auf demografischen Wandel und Generationenbeziehungen) und den konkreten Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit. Diese Verbindung wird hergestellt durch einen einleitenden Impuls und die Diskussion darüber, sowie durch die dann anschliessende Vorstellung (sowie Bearbeitung) einer konkreten Handlungssituation, die zu diesem Themenfeld passt.

Impuls. Jede Einheit beginnt – nach den formalen Fragen zum Eingang - mit einem Impuls durch die Studierenden (mit Ausnahme der ersten Einheit, hier erfolgt der Impuls durch den Lehrenden). Der Impuls hat die Aufgabe, in die Thematik einzuführen und den Denk- bzw. Reflexionsraum zu eröffnen. Die Studierenden im 7. Semester stehen vor der Aufgabe, Theorien und Konzepte vorzustellen, die sie im Verlauf der Studiums bereits behandelt haben sollten (etwa zu Klasse, Schicht, Ausgrenzung, Feminismus, Integration, Interkultureller Arbeit, Partizipation) – und diese (und das ist eine besondere Leistung!) abzuklopfen auf Aussagen zu den Themenbereichen demografischer Wandel und Generationenbeziehungen. Mit diesen Impulsen soll aufgezeigt werden, in welchen Kontexten die Soziale Arbeit verortet ist.

Handlungssituation. Im Zentrum einer jeden Lehrveranstaltung steht daher eine konkrete Handlungssituation und deren weitere Bearbeitung. Die Handlungssituation ist von den Studierenden vorzubereiten und darzustellen. Diese Handlungssituation kann sich auf einen konkreten Fall, auf eine konkrete Organisation oder auf eine konkrete Situation beziehen.

Diese vorgestellten Handlungssituationen sollen in Kleingruppen arbeitsteilig bearbeitet werden.

Synthese. In einem gemeinsamen Prozeß zum Ende der Kleingruppenrunde geht es darum, die verschiedenen Teilaspekte der Handlungssituation zusammen zu tragen und miteinander in Beziehung zu bringen. Das operative Ziel ist dabei, Vorstellungen und Ideen für Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der sozialen Arbeit zu entwickeln. Im Vordergrund steht dabei nicht die Vollständigkeit und Systematisierung, sondern vielmehr das Exemplarische und die Vielfalt der Möglichkeiten (Repertoire.)

Literatur (Auswahl)

Berlin, 06.05.2011,

Dr. Stefan Schneider