Guten Tag!

Ich staunte nicht schlecht, als ich in der Nacht vom 03. auf den 04. April einer großflächigen Strassensperrung in der Kastanienallee ausweichen musste, aufgrund einer umgefallenen, in die Oberleitung der Strassenbahn gekippten großen Kastanie. Das ist weit mehr, als wenn in China ein Sack Reis umkippt. Ich dachte immer, das Amt für Umwelt und Natur des Bezirkes Pankow wäre zuständig für den ordnungsgemäßen Zustand und Erhalt der Strassenbäume und würde hinreichende Vorsichtsmaßnahmen treffen, sobald ein Baum umzufallen droht. Auch im Internet wurde darüber berichtet, siehe:

http://www.neuearmut24.de/2007/04/04/kastanienallee-berlin-kastanien-1/

Dieses veranlasste mich am 09.04.2007 zu einer kleine Anfrage, die ich nachstehend dokumentiere.

Gruss

stefan schneider 


Betreff: Eine Kastanie, die in der Kastanienallee um- und auf die Oberleitung der Strassenbahn fälllt

Das Bezirksamt wird um Auskunft gebeten:

  1. 1. Warum fällt in der Kastanienallee zwischen der Oderberger Str. und Eberswalder Str. in der Nacht vom 03. auf den 04. April 2007 eine Kastanie um, direkt auf die Oberleitungen der Straßenbahn?
  2. 2. Welche Erkenntnisse lagen dem Bezirksamt bis zum 03.04.2007 über den Zustand der Bäume in der Kastanienallee vor?
  3. 3. Laden dem Bezirksamt Hinweise auf Gefährdungen vor?
  4. 4. Wie hoch ist der durch die umgefallene Kastanie entstandene Schaden?
  5. 5. Wie hoch sind die Kosten der Schadensbeseitigung?

 Das Bezirksamt hat dazu eine Frist bis zum 24.04.2007

Daraufhin erhalte ich am 03.05.2007 nachfolgende Antwort:

Das Bezirksamt wird um folgende Auskunft gebeten:

1. „Warum fällt in der Kastanienallee zwischen der Oderberger Str. und Eberswalder  Str. in der Nacht vom 03. auf den 04. April 2007 eine Kastanie um, direkt auf die Oberleitungen der Straßenbahn?“

Die Kastanie war von Wurzelfäule befallen, infolgedessen ist der Baum umgestürzt.

2. „Welche Erkenntnisse lagen dem Bezirksamt bis zum 03.04.2007 über den Zustand der Bäume in der Kastanienallee vor?“

Die letzte Kontrolle am 28.06.2006 ergab keine erkennbaren Risiken hinsichtlich der Stand-sicherheit.

3. „Lagen dem Bezirksamt Hinweise auf Gefährdungen vor?“

Nein.

4. „Wie hoch ist der durch die umgefallene Kastanie entstandene Schaden?“
5. „Wie hoch sind die Kosten der Schadensbeseitigung?“

Im Tätigkeitsbericht der Polizei sind Beschädigungen an zwei Personenkraftwagen benannt, die Schadenshöhe ist bisher nicht beziffert worden.

Köhne
Bezirksbürgermeister

Was lernen wir daraus? Höhere Gewalt oder wie schnell breitet sich eigentlich Wurzelfäule aus? Fragen an die Botaniker. Dazu gab es bereits einen bemerkenswerten Gerichtsstreit aus Osnabrück vom November 2006, den ich wie folgt dokumentieren möchte:

(www.marlaktuell.de/?p=9451) Wenn ein öffentlicher Baumriese am Straßenrand von den Naturgewalten entwurzelt wird und geradewegs auf ein Gotteshaus fällt – wer muss dann der Kirchengemeinde den Schaden ersetzen, für den die Versicherung nicht aufkommt? Nicht unbedingt der Stadtkämmerer, betont die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.anwaltshotline.de) und verweist auf ein aktuelles Urteil des Landgerichts Osnabrück (Az. 5 O 1112/06).

Erst schien der Schneefall kein Ende nehmen zu wollen, dann fegte ein Jahrhundertsturm durch Osnabrück. Zuviel für eine der ehrwürdigen Straßen-Kastanien, die unter der zweifachen Last umbrach und auf die Kirche dahinter stürzte. Den Schaden in Höhe von ca. 15.600 Euro, den die Versicherung nicht zahlte, wollte die Kirchengemeinde nun aus dem Stadtsäckel bezahlt haben. Hätte die Stadt, wie es ihre Pflicht ist, die Straßenbäume sach- und fachgerecht kontrolliert, wäre die jetzt umgestürzte Kastanie bereits vor dem Unfall entfernt worden, weil sie nicht standsicher gewesen ist.

“Zwar stellte ein vom Gericht bestellter Gutachter fest, dass der Baum aufgrund einer Wurzelfäule tatsächlich altersschwach war”, berichtet Rechtsanwalt Dr. Dietmar Breer (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1867800-0 für 1,99 Euro pro Minute). Doch vor Gericht blieb unbewiesen, dass diese Erkrankung bei der Kontrolle des Baumes hätte erkannt werden müssen. Die Stadtangestellten, denen das Blätterwerk nach eigener Aussage zwar als kleiner und bräunlich verfärbt aufgefallen war, sahen die Ursachen dafür nur in einem für Kastanien typischen Miniermotten-Befall. “Und dessen Symptome sind laut Gutachter denen einer Wurzelfäule so ähnlich, dass sie im Rahmen der von der Stadt geschuldeten Kontrollen unentdeckt bleiben konnten”, erklärt der Rechtsanwalt.

 

Gruss,

stefan schneider 

 

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